Alessa Neuner

A Life dedicated to Horses

Das Pferd als Reittier – Wollen Pferde geritten werden?

Was wäre wohl die Antwort, würde man diese beiden Pferde fragen, ob sie gerne geritten werden?

Was wäre wohl die Antwort, würde man diese beiden Pferde fragen, ob sie gerne geritten werden?

Pferd und Reiter – ein für uns vertrautes Bild seit Jahrtausenden. Wo uns die Pferde früher im Krieg als auch im Alltag als Arbeitstiere dienten, werden sie heute hauptsächlich als Freizeitbeschäftigung eingesetzt. Doch wie zeitgemäß ist es überhaupt, sich von den Pferden „bedienen“ zu lassen, indem wir sie Reiten? Möchte ein Pferd geritten werden? Das ist die große Frage, die ich mir schon oft gestellt habe…

Wo jahrelang ein Pferd hauptsächlich dafür existieren durfte, dass es sich sozusagen als Gegenleistung reiten ließ, findet heute ein Umdenken statt. Für viele Besitzer ist ihr Pferd nicht mehr hauptsächlich ein Reittier, sondern in erster Linie ein Freud und Partner. Doch wie passt das mit dem üblichen Bild der Reiterei zusammen?

Betrachtet man solche Bilder, fragt man sich unweigerlich, ob die Reiterei überhaupt noch zeitgemäß ist.

Betrachtet man solche Bilder, fragt man sich unweigerlich, ob die Reiterei überhaupt noch zeitgemäß ist.

Schauen wir uns einmal an, was für Theorien gegen das Reiten sprechen. Fährt man auf die Abreiteplätze eines üblichen Turniers, sei es Springen, Dressur oder Westernreiten, wird man fast überall die selben schlimmen Bilder finden: Pferde, die zugeschnürt in eine Haltung gezwungen werden. Verspannte Reiter, noch verspanntere Pferde. Ja, es gibt sie – die Ausnahmen. Die Reiter, die ihre Pferde freundlich und entspannt auf dem Turnier vorstellen. Doch seien wir ehrlich: Der Großteil der Pferde, dir wir dort finden, wird eine eindeutige Antwort auf die Frage wissen, ob sie geritten werden wollen. Mit Sicherheit wird die Antwort negativ ausfallen. Neben den psychischen Schäden sind auch die körperlichen Folgeschäden dieser Reiterei nicht zu vernachlässigen. Es ist leider nicht verwunderlich, warum es immer mehr Pferde gibt, die bereits in jungen Jahren so kaputt geritten wurden, dass sie ihr restliches Leben als Invalide verbringen müssen – wenn ihnen dies überhaupt vergönnt wird. Ein Pferd, das nicht mehr reitbar ist, hat schließlich keinen Nutzen, oder?

Eine Ausnahme? Ich fürchte leider, diese Aufnahme entspricht mittlerweile eher dem Standard.

Eine Ausnahme? Ich fürchte leider, diese Aufnahme entspricht mittlerweile eher dem Standard.

Das klingt bitter und das ist es in meinen Augen auch. Betrachte ich nur diese Sparte der Reiterei, dann sage ich ganz klar: Reiten ist tierschutzwidrig und gehört verboten!

Leider hört das Leid der Reitpferde nicht am Turnierplatz auf. Bei vielen Besuchen auch in reinen Freizeiteiter-Ställen, finde ich immer die selben Bilder vor: Viel zu schwere, unsportliche Reiter auf unausgebildeten, überforderten Pferden. Mit schlecht sitzendem Sattel und einer Trense für alle Pferde laufen abgestumpfte Schulpferde im Kreis, um mehr oder weniger ambitionierten Menschen das Reiten zu lehren.

Es mag alles übertrieben klingen, was ich hier aufzähle. Das Traurige jedoch ist: Jeder von euch hat ein ganz klares Bild von dem im Kopf, was ich beschreibe, oder? Diese Szenen sind keine Ausnahmen, sie sind Realität!

Ich glaube, ein großer Teil unserer Pferde leidet unter seinen Reitern. Für sie ist das Geritten werden alltägliches Übel, welches sie mit der Zeit gelernt haben, zu akzeptieren. Dass für diese Pferde das Reiten nichts Wünschenswertes ist, ist wohl jedem von uns klar.

Pferd und Reiter - ein seit Jahrtausenden vertrautes Bild. Doch wie natürlich ist das Reiten überhaupt?

Pferd und Reiter – ein seit Jahrtausenden vertrautes Bild. Doch wie natürlich ist das Reiten überhaupt?

Doch wie sieht es mit den anderen Pferden aus? Jenen, die das glückliche Schicksal gezogen haben, einen zumindest bemühten Reiter gefunden zu haben. Der dafür sorgt, dass das Pferd psychisch und physisch gesund ist, um geritten zu werden? Empfinden auch sie das Geritten werden als notwendiges Übel?

Es gibt mittlerweile immer mehr Menschen, welche die Meinung vertreten, dass kein Pferd der Welt geritten werden möchte. Klar, natürlich ist das Reiten keineswegs.

Kein Pferd der Welt wurde zum Reiten geboren, auch wenn das wohl manche Menschen glauben.

Was also denken unsere Pferde wirlkich davon, uns auf ihrem Rücken zu tragen? Können wir ihnen dabei etwas bieten, was ihnen tatsächlich Freude bereitet, auch wenn das Reiten an sich so artfremd ist?

Ich denke, ja, das können wir. Seid ihr schon mal mit eurem Pferd im wilden Galopp über eine Wiese geflogen und habt dieses unendliche Gefühl der Freiheit gespürt? Ich bin mir sicher, dieses Gefühl saß nicht nur im, sondern auch unterm Sattel. Denn kaum ein Pferdestall in unserer Gegend kann den Pferden das bieten, was wir ihnen auf Ausritten an Sinneswahrnehmungen, Eindrücken und Bewegunsfreiheiten bieten können. Meine Pferde und ich lieben es, gemeinsam auf Spaziergänge aufzubrechen. Doch treffen wir auf einen langen Wiesenweg, der Wind dreht auf und ich spüre den Wunsch meines Pferdes, seinem Bewegungsdrang freien Lauf zu lassen – was spricht dann dagegen, sich auf seinen Rücken zu setzen und ihm so diesen Wunsch zu erfüllen?

Gehört also die Reiterei allemeinhin verdammt? Oder lässt sich darin doch noch diese gewisse Besonderheit finden, die es nur in dieser Form der Kommunikation zu geben scheint?

Gehört also die Reiterei allemeinhin verdammt? Oder lässt sich darin doch noch diese gewisse Besonderheit finden, die es nur in dieser Form der Kommunikation zu geben scheint?

Ich bin überzeugt, Pferde können so geritten werden, dass sie ihre Reiter mit Stolz und Liebe tragen, ohne Schäden davon zu tragen. Diesen Status als Reiter zu erreichen, wird einem jedoch nicht geschenkt. Es benötigt eine Menge Wissen, Gefühl, Ausdauer und eine noch größere Portion Selbstkritik, um ein Pferd gesund zu reiten. So und nur so finde ich es gerechtfertigt, sich auf den Rücken unserer Pferde zu schwingen. Dann nämlich wird das Reiten nicht zu etwas Selbstverständlichem, es verliert seinen Sinn im Zweck allein und wird stattdessen zu einem gemeinsamen Erlebnis, das Reiter und Pferd ein Stück Lebensfreude schenkt.

Auf dieses Geschenk verzichten, weil andere es ausnutzen? Ich denke, das ist nicht der richtige Weg. Stattdessen sollten man als positives Beispiel vorangehen und das Reiten zu dem machen, was es früher einmal war: Luxus! Luxus für den Reiter, aber auch für das Pferd.

Reiten als Luxus - für das Pferd genauso wie für den Menschen!

Reiten als Luxus – für das Pferd genauso wie für den Menschen!

Um das zu erreichen, gilt es (mal wieder!) auf sein Pferd zu hören. Wer eine gesunde Beziehung zueinander hat, der wird merken, wenn sein Pferd beim Reiten Probleme bekommt. Wie auch jeder von uns, haben auch unsere Pferde unterschiedliche Bedürfnisse. Das sollte auch oder gerade beim Reiten beachtet werden. Sicherlich gibt es dabei auch Pferde, die kaum oder gar nicht geritten werden wollen. Findet man hier zwischen den Bedrüfnissen von Pferd und Reiter keine Schnittstelle, muss man sich ernsthaft überlegen, ob man auf Dauer den richtigen vierbeinigen Partner gefunden hat. Denn weder unseren Pferden, noch uns tut es gut, gegen seinen Charakter anzuarbeiten.

 Ich denke jedoch, wer die Bedürfnisse seines Pferdes auf jeder Ebene respektiert, der kann sein Pferd auch glücklich und gesund reiten.

Lebensfreude pur! Reiten kann solch eine Bereicherung sein - für beide Seiten!

Lebensfreude pur! Ich setzte mich nur auf mein Pferd, wenn ich mit Sicherheit sagen kann: „Ja, mein Pferd möchte geritten werden und empfindet die gleiche Freude dabei, wie ich!“

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16 Kommentare

  1. Liebe Alessa,

    das ist mal wieder ein wirklich schön geschriebener und auf den Punkt gebrachter Blog-Eintrag von dir. Die Bilder vermitteln genau die richtige Stimmung zum Text und ich finde es schön, dass du den Text auf die emotionale Ebene von Pferd und Reiter konzentrierst. Den gesunden und trainierten Körper von beiden darf man natürlich nicht außer Acht lassen, aber ebenso spielt die gesunde Psyche eine, vielleicht sogar noch wichtigere, Rolle.

    Mach weiter so! 🙂

    • Alessa

      7. November 2014 um 9:23

      Liebe Anika,
      vielen Dank für deinen schönen Kommentar!
      Der gesundheitliche Aspekt spielt mit Sicherheit eine große Rolle, da hast du Recht. Ich fürchte nur, das hätte den Rahmen meines Artikels gesprengt. Aber vielleicht widme ich dem Thema einfach mal noch einen neuen Artikel, gute Idee 🙂
      Ganz liebe Grüße!
      Alessa

      • Ach naja, das ist ja nun auch wirklich oft schon kritisch betrachtet worden, mir gefiel die Aufmachung deines Textes so wie sie ist ganz wunderbar 🙂

  2. Ich weiß nicht ob es langsam schon langweilig wird *grins* aber ich kann dir einfach nur soo absolut zustimmen! Ich habe die genau gleiche Einstellung zum reiten, die du hier aufgeschrieben hast. Oft habe ich schon hin und her überlegt, ob es denn nun richtig ist, meine Pferde zu reiten. Ich habe sogar etwas mit dem Gedanken gespielt, meine Pferde nicht mehr zu reiten (nachdem ich das Buch von Frau Vogt gelesen habe: Befreie dein Pferd, befreie dich selbst). Aber dann habe ich auch gemerkt: fehlt dann nicht etwas? Nehme ich uns dann nicht etwas? Was ist mit dem durch-die-Gegend-und-über-Wiesen-rasen, mit den langen Trab-Reprisen, mit den längeren Ausflügen etc., was ich alles zu Fuß nicht schaffe? Was ist mit der Möglichkeit zur Gymnastizierung von oben, mit der einfach schönen Harmonie AUF dem Pferd, wenn man mit dem Pferd auch körperlich ganz verbunden ist? Warum sollte ich auf das alles verzichten, wenn ich es schaffe, dass auch mein Pferd Freude an all dem hat?
    Jetzt bin ich mir sicher, dass ich uns das nicht nehmen möchte. Dass ich aber in Zukunft noch genauer darauf achten möchte, dass meine Pferde das genauso sehen wie ich 😉 Dein wundervoller Text hat mich darin nochmal bestärkt.
    VIELEN DANK dafür, und auch vielen Dank für die ganzen anderen Gedanken und Erfahrungen, die du hier regelmäßig mit uns teilst.
    Aus deinen Berichten konnte ich schon so viel für mich und meine Pferde mitnehmen, fast mehr als aus jedem Buch. Ich bin wirklich froh, damals deine Facebook-Seite gefunden zu haben!!

    GLG Rebecca

    • Alessa

      7. November 2014 um 9:21

      Liebe Rebecca,
      deine schönen Kommentare werden NIE langweilig! 😉
      Mir geht es sehr ähnlich wie dir – nach Maksida Vogts Buch war ich auch kurzzeitig überzeugt davon, dass ich das Reiten aufgeben sollte. Allerdings haben mich meine Pferde wirklich vom Gegenteil überzeugt, genau so wie du es auch schilderst. Ich glaube, das ist mal wieder ein Fall von: Höre auf dein Gefühl, höre auf das, was deine Pferde dir sagen! Das steht in keinem Buch der Welt, aber es ist genau das, was einen glücklich macht 🙂
      Ganz liebe Grüße!
      Alessa

  3. Ein wunderbarer und so wahrer Text.
    Ich kann dir auch absolut zustimmen, denn leider sehe ich viel zu oft in traurige und leidende Pferde Augen -.-
    Ich habe vor einem Jahr einen anderen Weg als den „Normalen“ eingeschlagen und obwohl ich IMMER zum Wohle des Pferdes handele und es eben nicht reite wenn es das nicht möchte, ernte ich immer wieder böse Kommentare oder herablassende Blicke.
    Ich tue alles für das Pferd aber nicht für mich selbst.
    Das Tier sollte doch nicht dazu da sein um sich selbst zu präsentieren, denn wenn ich in manche traurigen Augen schaue, dann weiß ich wie wichtig dem Menschen wirklich das Pferd ist…leider.
    Das Wichtigste sollte es doch sein, sein Pferd wahrzunehmen um zu sehen wie es ihm wirklich geht 🙂

    LG Johanna

  4. Liebe Alessa, wieder mal ein so schöner Post von Dir! Ich kann Dir in allem zustimmen. Ich habe mich auch schon oft gefragt, ob es überhaupt in Ordnung ist, sich auf den Pferderücken zu setzen. Schließlich sind die Pferde ja eigentlich nicht dazu gemacht, ein Gewicht auf dem Rücken zu tragen. Machen wir sie damit kaputt? Ist es Egoismus sich auf den Pferderücken zu schwingen? Ich glaube, ein kleines bisschen ist es das schon. Aber wenn wir – wie Du schreibst – darauf achten, dass das Pferd die Muskeln und die Körperhaltung entwickelt, die es braucht, um uns „gesund“ zu tragen, wenn wir emotional auf die Pferdeseele eingehen und versuchen ein Team zu werden, dann ist das in Ordnung. Wenn das Pferd also nicht durch das Reiten „gequält“ wird, sondern mit Liebe und Geduld darin unterrichtet wird, ein Reitpferd zu sein, nicht überfordert und zurechtgezurrt wird, sondern gemeinsam mit dem Menschen „arbeiten“ und Spaß haben darf, dann ist das absolut in Ordnung. Manchmal kommt es mir so vor, wie unser Büroalltag. Wir mögen unsere Arbeit, es gibt viele schöne Momente, nette Kollegen, aber auch manche Aufgaben, die Blöd sind. Aber das ist in Ordnung, weil die schönen, spannenden, interessanten Aufgaben und Momente überwiegen, weil es nette Kollegen gibt und weil wir am Ende des Monats die Miete bezahlen können. Ähnlich ist es vielleicht auch für die Pferde. Und unsere Aufgabe ist es der nette Kollege zu sein, die schöne Arbeit und so viel netter Alltag wie nur irgendmöglich. Dafür gibt es dann auch eine Weide, Heu und ein Dach über dem Kopf. Die Krankenkasse (=Mensch), die den Arzt (= Tierarzt) bezahlt und liebevolle Fürsorge. Liebe Grüße, Petra

    • Alessa

      7. November 2014 um 11:13

      Liebe Petra,
      danke für deinen schönen Kommentar – dem kann ich allem nur zustimmen! Ich finde den Vergleich mit der Arbeit von uns sehr schön, ich glaub das trifft es gut. Sobald wir unsere Pferde ihrer Freiheit berauben, können wir irgendwie nur noch einen „Kompromiss-Weg“ gehen. Aber den kann man trotzdem so gestalten, dass die Pferde ein wirklich glückliches Leben führen und uns Menschen als Bereicherung ansehen. Zumindest ist das mein Ziel 🙂
      Ganz liebe Grüße!
      Alessa

  5. Hallo Alessa!
    Sehr schön gesagte Worte. Wenn ich mir die ersten Bilder so anschaue, macht mich das einfach nur traurig. Ich frage mich auch, wie wenig Selbstreflektion Menschen eigentlich haben können- oder eben gar nicht. Es gibt Fotos, es gibt Spiegel…stangenweise Literatur, kritische Stimmen, aber auch positive Beispiele. Da muss doch mal der gesunde Menschenverstand einsetzen und den selbstverliebten Blick von der neuen Schabracke der neuen Kollektion der Firma xy wegreissen zu dem, was ich da vorn im Maul veranstalte?!?
    Was müssen das für liebe und leidensfähige Pferde sein. 🙁
    Ich besitze ein Vollbut , so würde er sich gar nicht reiten lassen. Ich bekomme oft von anderen Reitern gesagt, wir seien ja ein tolles Team, aber so ein Pferd würden sie sich „nicht antun“. Ich denke dann immer im Stillen >und das ist auch gut so, dass IHR EUCH solchen Pferden nicht antut, weil das 100% gewaltig nach hinten losgehen würde.<

    Liebe Grüße, mach weiter so! Ulrike

    • Alessa

      9. November 2014 um 12:05

      Liebe Ulrike,
      da sprichst du (leider) etwas Wahres an – unsere Pferde lernen so schnell zu resignieren und aufzugeben. Das ist so schrecklich traurig! Sie geben uns so viel zurück und können die besten Lehrmeister sein, wenn wir es nur zulassen!
      Bleibe trotzdem auf deinem Weg und geh mit positivem Beispiel voran, der ein oder andere ändert vielleicht dann doch mal noch seine Sicht der Dinge 😉
      Ganz liebe Grüße und alles Liebe!
      Alessa

  6. Hallo Alessa,

    ich finde deine Gedanken sehr ehrlich und präzise formuliert.
    Dadurch treffen sie mitten ins Herz und regen zum Nachdenken an. Ich hatte bisher zwei eigene vom Vorbesitzer „verrittene“ Pferde, wo an Reiten erst gar nicht zu denken war. Das war damals beim ersten Pferd völlig neu für mich, weil ein Pferd nach der gängigen Meinung eben ein Reittier war – und so hatte ich das damals auch im Kopf. Scheinbar zerplatzte der Traum vom ersten eigenen Pferd, das mit einem über die Wiesen galoppiert, weil meines offensichtlich nicht geritten werden wollte. Das stellte für mich eine Herausforderung dar und im Nachhinein kann ich sagen dass es das Beste ist, was mir je passieren konnte.
    Ich entdeckte, wie viel Spaß und Möglichkeiten sich vom Boden aus bieten. Unter den spöttischen Blicken einiger eingefleischter Reiter änderte ich das Konzept und trainierte vom Boden aus mittels positiver Verstärkung. Daraufhin kam der Erfolg nur so im Flug: Während ich durch lange Spaziergänge, Schwimmen, Bergsteigen etc. ein starkes Vertrauensverhältnis aufbaute und das Tier nebenbei absolut Geländesicher wurde, dachte ich auch stark über die Frage nach, ob ich denn überhaupt noch reiten möchte.
    Denn auch mein zweites Pferd zeigten so deutlich, was in ihrer Zeit als Reitobjekt falsch gelaufen war. Als Körper und Seele jedoch wieder gesundeten, signalisierten die Pferde schrittweise, dass Reiten wieder okay ist.
    Seitdem ist das Aufsitzen für mich jedes mal ein absolutes Geschenk und ich bin total gerührt, wenn meine Traberin aufmerksam „mitsucht“, wenn ich mal wieder auf der Suche nach einer Aufstieghilfe (Baumstumpf, etc) bin. Wenn sie dann geduldig stehen bleibt und sich in die richtige „Parkposition“ dirigieren lässt, weiß ich, dass sie mich auf ihrem Rücken duldet.
    Mit diesem Gefühl als Voraussetzung kann man wirklich fliegen – denn Pferd und Mensch bilden eine Einheit.

    • Alessa

      9. November 2014 um 12:03

      Liebe Conni,
      vielen Dank für deinen schönen Erfahrungsbericht – das zeigt mal wieder, wie sehr unsere Pferde bereit sind, zu vergessen und zu vergeben, wenn wir ihnen nur ein wenig entgegenkommen. Es braucht so viel Selbstdisziplin und -Reflexion und es kann so hart sein. Aber ich wurde bisher auch noch nie von einem Pferd enttäuscht. Sie sind einfach wunderbare Lehrmeister, wenn man ihnen denn zuhört.
      Ich wünsche dir und deinen zwei Wegbegleitern alles Liebe und Gute für euren weiteren Weg – ich bin mir sicher, sie sind sehr glückliche Pferde!
      Ganz liebe Grüß,
      Alessa

  7. Naja, ich bin selbst Reiterin, aber sehe die Sache etwas anders. Wenn man davon ausgeht, dass das Pferd sonst nur gelangweilt im Stall oder auf der kleinen Wiese steht, dann ist es sicherlich schöner, wenn es im gestreckten Galopp mal ins Gelände geritten wird. Aber, dass ein Pferd im Stall steht und den Menschen gehört, ist ja bereits wider ihrer Natur. Normalerweise gehört es frei, wie Hase und Fuchs, auf die Wiese, in einer Herde. Wenn es die Möglichkeiten hätte, würde es sicher nicht geritten werden wollen! Leider hat der Mensch diesen Lebensraum bereits für sich selbst eingenommen, sodass es kaum noch eine andere Möglichkeit gibt, als Pferde im Stall und auf der Koppel zu halten…womit wir wieder an der Stelle angelangt wären: das Pferd sollte geritten werden. Aber eigentlich ist es doch nur Glück im Unglück oder?

  8. Liebe Alessa,

    genau so sehe ich das auch! Ich hatte Dir ja letztens schon mal von meiner kleinen Pferde-Oma Tassi geschrieben. Erinnerst Du Dich?
    Weißt Du was ich nämlich glaube? Beziehungsweise bin ich mir eigentlich ziemlich sicher. Ich denke, dass Tassi es total vermisst über Feldwege zu preschen. Sie hatte mit !28! Jahren erst die Chance auf Ausritte. Das musst Du Dir mal vorstellen… Min. 23 Jahre lang als Schulpferd hopsende Kinder auf Dir zu ertragen, die dazu auch noch im Mündchen herumgerissen haben. Wenn ich könnte, dann würde ich Zeit zurückdrehen. Ich bewundere Tassi dafür, dass sie danach immer noch in der Lage war sich mit uns herumzuplagen (Und ja, wir waren früher auch nicht besser als die konventionellen Reiter) , aber nie den Lebensmut aufgegeben hat. Und die größte Faszination ist, finde ich, dass sie sich wieder auf mich einlassen konnte. Mir eine riesengroße zweite Chance geben konnte und dass wir wieder von Neuem anfangen. Das ist doch Wahnsinn… Davon sollten sich Menschen eine obergroße Scheibe von abschneiden!!!
    Ich glaube schon, dass sie manchmal ziemlich starke Sehnsucht nach einem ungezwungenen völlig freien Galopp durch’s Gelände hat. Deswegen habe ich auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, ob ich es nochmals wagen sollte für kurze Strecken im Gelände hochzuklettern… Aber dieser Gedanke wurde schnell wieder verworfen. Wie sehr würde ich Tassi nochmal von Oben sehen, aber ich habe einfach viel zu große Angst ihr damit irgendwelche Schmerzen zu bereiten. Vor Allem kann ich ihre Kraft auch gar nicht mehr einschätzen. Keine Sorge, ich werde es nicht machen 😉 . Aber verstehst Du meinen Zweispalt?
    Liebe Grüße,
    Carolin

  9. Gibt es ein Buch welches genau dieses Thema genauer beleuchtet? Jedenfalls sehr interessant!

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