Alessa Neuner

A Life dedicated to Horses

GASTBEITRAG: Ein Team sein – was steckt dahinter?

Gastbeitrag von Melanie Cittlau 

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Kollege oder Freund? Oder was bedeutet es eigentlich, ein gutes Team zu sein?

„Mein Pferd und ich sind ein gutes Team!“

Diesen Satz hört man des Öfteren von Pferdeleuten mit stolz geschwellter Brust. Oder aber die Frage „Wie werden ich und mein Pferd ein Team?“. Anscheinend ist es vielen Leuten wichtig „ein Team“ mit ihrem Pferd zu sein. Samirah und ich wurden schon öfter als ein gutes Team bezeichnet.

Doch was bedeutet es eigentlich ein Team zu sein? Schauen wir uns doch erst einmal den Begriff „Team“ genauer an.

„Ein Team bezeichnet einen Zusammenschluss von mehreren Personen zur Lösung einer bestimmten Aufgabe oder zur Erreichung eines bestimmten Zieles“ – so steht es bei Wikipedia. Übertragen auf das Pferd-Mensch-Paar bedeutet also ein Team zu sein, dass man gemeinsam ein bestimmtes (selbst gewähltes) Ziel anstrebt. Ok, das klingt ziemlich gut. Doch gibt es viele verschiedene Auslegungen und Assoziationen mit dem Begriff „Team“.

Ich möchte kurz auf 4 verschiedene Dimensionen eines Teams eingehen (inhaltlich nach Wikipedia).

  1. Aufgaben-Dimension: Es gilt eine bestimmte Aufgabe im Team zu lösen. Die gemeinsame Herausforderung schafft eine zusammenhaltende Ebene der Teammitglieder.
  2. Image-Dimension: Wer einem Team angehört, der wird von anderen als beliebt wahrgenommen. Oftmals handelt es sich allerdings nur um eine Ansammlung von Einzelkämpfern.
  3. Ergebnis-Dimension: Das Erreichen eines bestimmten Zieles steht im Vordergrund. Durch den gemeinsamen Wunsch nach Erfolg werden die einzelnen Bedürfnisse der Individuen vernachlässigt.
  4. Erlebnis-Dimension: Alle Teammitglieder empfinden sich als Gemeinschaft Gleichgesinnter, die auf der gleichen Wellenlänge sind. Es steht der Aspekt der gefühlsmäßigen Verbundenheit im Vordergrund.
Welche Ziele stehen im Vordergrund, wenn es um mein Pferd und mich geht?

Aufgabe, Zusammenarbeit, Ziel? Welche Art des Zusammenlebens möchte ich mit meinem Pferd pflegen?

Was für eine Art Team möchtest du mit deinem Pferd sein?

Oftmals setzen wir das Wort „Team“ mit „eine Einheit bilden“ gleich, doch bedeutet es das wirklich?

Interessant finde ich, dass meist im beruflichen oder sportlichen Rahmen von einem „Team“ gesprochen wird, seltener im privaten Bereich. Was für einen Stellenwert schreiben wir unserem Pferd zu, wenn wir mit ihm ein Team bilden wollen? Sehen wir es als einen Sport an? Ein Hobby? Eine Verpflichtung? Ein Familienmitglied oder einen Freund?

Bezogen auf den Reitsport ist es unabdingbar ein Team zu sein. Oft hört man von diversen Reitlehrern zu ihren Schülern sagen: „Ihr müsst ein Team werden, sonst klappt es nicht.“. Logisch: wer gegeneinander anstatt miteinander arbeitet, kann keinen großen Erfolg haben.

Doch auf welcher Ebene wird miteinander gearbeitet? Sind beide Teammitglieder gleichberechtigt oder gibt es einen Teamleiter? Geht es darum, dass man gemeinsam eine Aufgabe löst, eine Prüfung bewältigt oder geht es dem Einzelnen darum sich gut zu fühlen? Den Erfolg zu spüren? Von anderen anerkannt zu werden?

Ist ein Team nur dann "gut", wenn man gemeinsam etwas erreicht? Oder reicht es vielleicht völlig aus, einfach gut im Zusammensein zu sein?

Ist ein Team nur dann „gut“, wenn man gemeinsam etwas erreicht? Oder reicht es vielleicht völlig aus, einfach gut im Zusammensein zu sein?

Worum geht es uns mit unserem Pferd? Und wie fühlt sich unser Pferd dabei?

Schon der Ausdruck „miteinander arbeiten“… Arbeit. Verpflichtung. Bäh, irgendwie sträubt sich in mir etwas bei dem Begriff „Arbeit“. Eigentlich möchte ich viel lieber Spaß haben mit meinem Pferd. Sind wir doch im Alltag schon genug beschäftigt mit Arbeit, Stress und Verpflichtungen.

Können wir dann nicht wenigstens in unserer Freizeit (und ich denke die meisten von uns würden doch die Zeit mit dem Pferd als Freizeit bezeichnen, oder?) mal unseren Ehrgeiz, das Streben nach Erfolg, nach Anerkennung ausschalten? Uns wieder besinnen auf das Wesentliche, was uns irgendwann mal an diesen Geschöpfen so fasziniert hat? War es nicht der Wunsch nach Freiheit und Natürlichkeit, der uns zu den Pferden getrieben hat? Arbeit schwebte und dabei bestimmt nicht durch den Kopf.

Aber wird ein Team nicht meist mit Arbeit assoziiert? Arbeit, die als Team leichter, schneller oder effizienter zu lösen ist. Oder aber ein Team in sportlicher Hinsicht. Doch auch hier geht es ja darum gemeinsam ein bestimmtes Ziel zu erreichen, gemeinsam Erfolg zu haben. Meistens steht der Erfolg im Vordergrund und damit bleiben die individuellen Bedürfnisse zu oft auf der Strecke (siehe „Ergebnis-Dimension“).

Wie aber sieht es im Freizeitbereich aus?

Wie können wir dort ein gutes Team sein? Für mich persönlich stehen im Zusammenhang mit meinem Pferd andere Dinge im Vordergrund, als das Lösen von Aufgaben und das Erreichen von Zielen. In erster Linie geht es mir um die Verbindung zur Natur, um etwas Beständiges in der immer schneller werdenden Zeit, um das Gefühl von Vertrauen.

Ist „Team“ nicht eigentlich der falsche Begriff für das Zusammensein mit meinem Pferd? Lediglich die letzte der zu Anfang angesprochenen Dimensionen, die „Erlebnis-Dimension“ beschreibt für mich annähernd die Beziehung zu meinem Pferd. Das Gemeinschafts-Empfinden, ein Zusammenschluss Gleichgesinnter. Die Verbundenheit steht im Vordergrund, nicht irgendein Ziel. Das bedeutet nicht, dass ich keinerlei Ziele mit meinem Pferd habe. Es steht nur nicht an erster Stelle eben diese zu erreichen. Für mich ist der Weg das Ziel.

Teammitglied oder bester Freund? Was für einen Stellenwert nimmt das Pferd an meiner Seite ein?

Zeichnet sich ein gutes Team durch die Leistung von Arbeit aus? Oder stehen andere Werte an erster Stelle?

Ein besser geeigneter Begriff um zu beschreiben, wie ich die Beziehung zwischen Samirah und mir sehe, ist die Freundschaft.

Im Lexikon wird Freundschaft als „das auf gegenseitiger Wertschätzung beruhende und von gegenseitigem Vertrauen getragene freigewählte […] Verhältnis zwischen Gleichstehenden“ definiert. Gleichstehende! Beide sind gleichberechtigt – keiner ist „Teamleiter“.

Im Gegensatz zu anderen sozialen Beziehungen, wie z.B. unter Arbeitskollegen, ist eine Freundschaft nicht abhängig von irgendwelchen Rollenbezügen. Freundschaft beruht auf Gegenseitigkeit und Freiwilligkeit, sie wird nicht von kulturellen Werten oder Normen beeinflusst. Anders als bei einem Team steht keine bestimmte Aufgabe im Vordergrund.

Freundschaft kann nicht erzwungen werden, sie entsteht durch emotionale Nähe und wird geprägt vom Wachstum mit- und durcheinander. Von einander Lernen und miteinander wachsen – das ist ein wichtiger Aspekt für mich in Bezug auf mein Pferd. Laut Ann Elisabeth Auhagen kann der Wert einer Freundschaft für die zwei Freunde von unterschiedlichem Gewicht und aus verschiedenen inhaltlichen Elementen zusammengesetzt sein. Ich denke genau das trifft im Idealfall ziemlich gut auf die Beziehung zwischen Pferd und Mensch zu. Sicherlich empfindet ein Pferd nicht genauso wie ein Mensch, aber dennoch kann es eine Freundschaft eingehen, auch wenn der Wert vielleicht ein anderer ist als für den Menschen.

Teammitglied oder bester Freund? Das eine schließt das andere nicht aus.

Teammitglied oder bester Freund? Das eine schließt das andere nicht aus.

Team? Freundschaft? Was beschreibt nun am besten ein harmonisches Verhältnis zwischen Reiter und Pferd?

Es kommt auf unsere persönlichen Ziele an und darauf was das Pferd für einen Platz in unserem Leben einnimmt. Ich denke es sinnvoll wenn man mit seinem Pferd als Team agieren kann, denn es gibt immer mal wieder Hürden, die es gemeinsam zu meistern gilt. Ob das nun ein Oxer auf einem Springturnier oder ein kleiner Bachlauf auf dem gemütlichen Sonntagsritt ist, hängt von dem individuellen Pferd-Mensch-Paar ab. Doch das Wort Team bezieht sich immer nur auf eine bestimmte Aufgabe, eine Situation, einen Moment.

Anders ist es bei der Freundschaft. Sie beschreibt eine soziale Beziehung und nicht nur einen momentanen Zustand.

Das eine schließt das andere nicht aus. Aus einem Team kann sich eine Freundschaft entwickeln und andersherum kann eine Freundschaft ein ganz wunderbares Team darstellen. Es liegt an uns dafür zu sorgen, dass sich unser Pferd mit uns wohlfühlt, ob als Teammember oder bester Freund.

Ihr wollt mehr von Melanie und ihrer Araberstute Samirah sehen? Dann schaut doch mal auf ihrer Seite in Facebook vorbei: Samirah – mehr als nur ein Pferd
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2 Kommentare

  1. Du hast wirklich genau die richtigen Worte getroffen, liebe Melanie! Ich kann dir nur komplett zustimmen =)

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