Alessa Neuner

A Life dedicated to Horses

Unsichtbare Sprache – wie unser Unterbewusstsein mit den Pferden kommuniziert 

"Was möchtest du mir sagen?" Pferde sind so gut im Zuhören, dass wir manchmal vergessen, was sie alles hören...

„Was möchtest du mir sagen?“ Pferde sind so gut im Zuhören, dass wir manchmal vergessen, was sie alles hören…

Seit Jahren gibt es unzählige Bücher und Zeitschriften, die von der „richtigen“ Körpersprache berichten, welche uns im Pferdetraining voranbringen soll. Diese ist sicherlich sehr bedeutend. Mir wird jedoch immer mehr bewusst, dass sie vielleicht einen viel kleineren Stellenwert bei unseren Pferden einnimmt, als bisher angenommen. Über die Sprache der Gefühle habe ich euch bereits einen Artikel geschrieben. Heute wurde mir jedoch einmal wieder bewusst, wie aussagekräftig diese ist. Ich glaube, wir sollten uns hier bei Vielem noch bewusster werden. Unsere Pferde sind so sensible Wesen und immer wieder erstaunt es mich, was für feine Signale sie empfangen. Oft sind es Signale, deren wir uns selbst noch nicht einmal bewusst sind.

Ich möchte euch dazu die Geschichte erzählen, die mich auf diese Gedanken brachte. Schon länger spiele ich mit dem Gedanken, Khayman im Winter einzudecken. Er verspannt einfach so sehr im Rücken und ich merke, wie gut ihm die Wärme einer Decke tut. Dennoch sitzt noch immer dieses Gefühl in meinem Kopf, dass Decken unnötig sind und nur etwas für kranke und alte Pferde. Praktisch hat mich Khayman vom Gegenteil überzeugt, in meinem Kopf aber hatte ich unterbewusst noch immer die Selben Gedanken. Nun war es die letzten Tage so, dass Khayman davonlief, sobald er die Decke sah und sich nur mit Überredungskünsten davon überzeugen ließ, sie doch überziehen zu lassen. Hat er sie einmal an, ist alles gut und er ist zufrieden. Ich wunderte mich so sehr über dieses Verhalten, wo er doch sonst ein so unkompliziertes Pferd ist.

Vermittelt mein Körper die selbe Botschaft wie meine Gedanken? Oder steckt vielleicht irgendwo eine Barriere, die es zu entdecken gilt?

Vermittelt mein Körper die selbe Botschaft wie meine Gedanken? Oder steckt vielleicht irgendwo eine Barriere, die es zu entdecken gilt?

Unsicher geworden, fragte ich meine liebe Freundin und Tierkommunikatorin Sabrina Hinneberg um Rat. Sie bekam von Khayman die Botschaft, dass er das Tragen der Decke keineswegs unangenehm findet. Sein Problem wäre im Grunde eher mein Problem – ich hatte einfach noch immer dieses Bild eines kranken Pferdes im Kopf, wenn ich mit der Decke zu ihm kam. Khayman spürte das und fand es logischerweise sehr unangenehm. In seiner Pferde-Konsequenz lies er mich also lieber alleine mit meiner „kranken Decke“.

Man mag von Tierkommunikation halten was man möchte (auch wenn ich finde, dass dies mal wieder ein wunderbares Beispiel dafür ist, wie sehr sie uns in der Kommunikation helfen kann), aber ich denke, dieses Beispiel ist kein Einzelfall. So oft haben wir in unserem Kopf bereits im Vorhinein etwas festgelegt und somit „vorprogrammiert“. Vielleicht kennt ihr es in der Form, dass ein von seiner Besitzerin als ängstlich bezeichnetes Pferd bei euch plötzlich teifenentspannt vor sich hintrottet. Oder ihr predigt Tag ein, Tag aus, dass euer Pferd einfach nicht ruhig stehen kann. Bei der Freundin steht das Selbe Pferd dann plötzlich seelenruhig am Putzplatz.

Pferde sind so sensibel, auch die kleinsten Signale von uns zu empfangen. Oft sind wir uns derer gar nicht bewusst...

Pferde sind so sensibel, auch die kleinsten Signale von uns zu empfangen. Oft sind wir uns derer gar nicht bewusst…

Das alles sind Beispiele dafür, wie stark unser Unterbewusstsein die Komunikation mit unseren Pferden beeiflusst. Natürlich haben wir solch festgefahrene Bilder nicht nur von unseren Pferden, sondern auch von unseren Mitmenschen oder bestimmten Situationen. Der Unterschied ist jedoch, dass Pferde im Gegensatz zu uns Menschen niemals verlernt haben, auf diese feinen Stimmungen zu achten. So reagieren sie mit ihrem Verhalten oft auf Gefühle, die uns selbst gar nicht bewusst sind. Mal wieder stellen sich mir hier die Pferde als die wahren Lehrmeister dar, die uns in unserer Persönlichkeit schulen und so viel achtsamer werden lassen.

Aber auch wenn man erkannt hat, was der Grund für so manches Problem ist, lassen sich diese Gefühle manchmal nicht so einfach abschalten. Ich glaube aber, man kann sich hier mit seinen eigenen Waffen schlagen: Anstatt mir einfach einzureden, die Winterdecke nun mit positiven Gefühlen zu bedenken (was für mich persönlich viel zu abstrakt ist, um umgesetzt zu werden), stelle ich mir einfach eine andere Situation vor. Ich nehme die Decke in die Hand und gehe zu Khayman – in meinem Kopf jedoch versuche ich mir vorzustellen, eben mit seiner geliebten Futterschüssel zu ihm zu laufen. Könnt ihr nachfühlen, wie man plötzlich eine ganz andere Einstellung, ja eine ganz andere Haltung bekommt? Und hiermit wären wir wieder beim Anfangsthema, der Körpersprache angekommen. Ich denke, diese kann nur dann vom Pferd gerne angenommen werden, wenn sie authentisch ist und mit unserer Gefühlswelt übereinstimmt. Vielleicht könnte man das, was wir suchen,  zusammenfassen in den Begriff Harmonie. Diese Harmonie in mir selbst zu finden ist ein Weg zum Ziel, bei dem mir die Pferde täglich helfen. Danke euch, ihr wundervollen Fellnasen!

Auf dem Weg zu voller Harmonie zwischen Reiter und Pferd muss man oft erst einmal seine eigene finden...

Auf dem Weg zu voller Harmonie zwischen Reiter und Pferd muss man oft erst einmal seine eigene finden…

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6 Kommentare

  1. Toller Artikel!!! Und kann ich nur bestätigen, hatte auch schon Situationen, in denen meine Stute genau auf meine Gedanken reagiert hatte und das so eindeutig, dass es kein Zufall war.
    Leider passiert dies bisher immer nur eher zufällig. Aber ich beobachte mich, warum es manchmal klappt und manchmal nicht, um zu lernen dies bewusster einzusetzten.

  2. Guter Artikel.
    Und da hast du absolut Recht.
    Schon oft habe ich darüber nachgedacht, dass meine aktuelle innere Einstellung mein Pferd beeinflusst.
    Habe ich ein eher schlechtes Gefühl, geht auch meist was schief. Bin ich unbefangen, ist mein Pferd es auch.
    Bin ich selbst in Dingen skeptisch, tut mein Pferd es mir gleich. Betrachte ich die Dinge hingegen als unproblematisch oder schenke ihnen gar nicht so viel Beachtung, wird das auch mein Pferd tun.

    Ich denke ebenfalls, dass wir uns dessen doch öfters bewusst werden sollten …

  3. Hallo Alessa! (einsehr gute freundin von mir heißt Alessia)

    Der beitrag ist wirklich klasse! Ich wusste sowas ja schon (oder besser gesagt mein unterbewusstsein) doch rictig klar war mir das noch nie! Danke! Wenn ich wieder in meinem Reitstall bin 😉 Ich stöbere malweiter durch deinen Blog aber eine Geschichte zu Pferde und Gedanken hab ich hier noch:

    Da die Beesitzerin der Pferde woh ich reite, immer wieder umziehen muss, hab ich die umzüge öfters miterlebt und habe nie gewechselt, da dies der einzige ort war, wo ich mich wohl gefühlt habe (Offenstallhaltung, Barhuf, eine tolle Reitlehrerin die viel wert auf Natural Horsemanship legt, pferde die mitarbeiten und bockig oder zickig werden (meiner freundin gefällt das nicht so aber mir schon, weil ich dann verstehe, was ich falsch machte))
    Und dann waren wir einmal in Kranebitten (ein Ort in Tirol, in der Nähe von Innsbruck (des liegt in Österreich).An diesem Tag mussten wir mit den pferden zum Putzen den weg von der wiese gaanz unten, den hügel hinauf zu ner garage des gasthofes um sie zu putzen. wir mussten auf der straße gehen und über ne brücke. dann kam eine baustelle mit einem kran. Ich blieb ganz ruhig und sagte mir in gedanken ,,heeey des ist ein kran der nichtmal arbeitet. bleib gaanz chillig dann wird shakira (mein lieblingspferd welches ich heute reiten wollte und gerade am führstrick hatte (sie ist eine araber-haflinger stute, ist ein glänzender fuchs mit ner blesse und die leitstute unserer kleinen herde, also ist der umgang mit ihr nicht immer ein zuckerschlecken ). Ich atmete wie immer und flüsterte zu shaki ,,siehst du? der tut nichts“ und ging weiter.plötzlich ging ein ruck durch mich und fühlte mich so unwohl und da lief shaki weg. ein paar meter weiter blieb sie stehen und glotzte uns an. ich habe zu der zeit mal nichts verstanden, was hier grad abging und gin mit der kleinen einfach weiter. heute weiß ich: es waren shakis gedanken die ich gehört und gespürt habe. ist das nicht cool?!? ok es ist zwar nicht cool, dass sie mir damals zu wenig vertraut hatte und tortz meiner chilligkeit durchging aber, ich konnte ihre gedanken fühlen!

    Ich mache mich dann auf und stöbere deine berichte durch und hinterlasse vll. einen kommi. bis dahin

    Viele Lieben Grüße und ein Frohes Neues Jahr!

    • Alessa

      5. Januar 2015 um 20:02

      Liebe Vicki,
      schön, dass dir mein Artikel so gefällt, das freut mich natürlich sehr! 🙂
      Und danke für deinen Erfahrungsbericht, ich glaube so eine Situation kennen wir alle, aber oft machen wir uns gar keine Gedanken dazu, was eigentlich wirklich dahinter steckt. Schön, dass du das heute so interpretieren kannst! 🙂
      Ganz liebe Grüße und auch dir ein frohes Neues Jahr!
      Alessa

  4. Hallo liebe Alessa,
    ganz toller Artikel. Ich verfolge Deine Seite noch nicht so lange, ich bin aber schwer begeistert, wie Du mit Deinen Tieren umgehst und was du mit Ihnen machst. Ganz toll. Lustig finde ich es, dass Du ebenfalls Frau Hinneberg als Tierkommunikatorin hast. Ganz liebe, tolle Frau. Ich habe Frau Hinneberg damals kontaktiert, als mein Pferd erst ein Jahr bei mir war und er gleich einen längeren Klinikaufenthalt bei mir hatte. Ich dachte, mein Pferd will nie bei mir ankommen und es wäre bestimmt lieber wieder bei der Vorbesitzerin, einer auch sehr sehr netten Frau. Ich ging mit gemischten Gefühlen an das Gespräch, weil ich noch nicht so sehr daran geglaubt habe, dass Tierkommunikation funktionieren würde. Frau Hinneberg hat Dinge gewusst, die sie nicht wissen konnte und ich war total sprachlos. Frau Hinneberg hat mir eine andere sichtweise gegeben. Ich dachte auch eher mein Pferd sei ein verschlossener Zeitgenosse, auch das war falsch und auf einmal habe ich Dinge anders gesehen, die er tut und macht und ich bekam eine ganz enge Bindung zu ihm. Aber auch dadurch, dass mir Frau Hinneberg gesagt hat, dass er immer wieder betont hat, wie verliebt er in mich sei. Sie fand ihn witzig und eine totale Quasselstrippe. Seither habe ich immer wieder mit Frau Hinneberg Kontakt, wenn mein Pferd irgendwelche Problemchen hat und ich nicht weiter weiss.
    Mach‘ weiter so mit deinen Pferden und deiner wirklich gelungen Seite. Ich freue mich immer über neue Artikel von Dir.

    • Liebe Julia,
      vielen Dank für deine lieben Worte, das freut mich so sehr!
      Sabrina ist eine unglaublich talentierte Frau, die mir und meiner (vier- und zweibeinigen) Familie schon so viel geholfen hat! Ich bin auch immer wieder fasziniert von ihrer Gabe und ihrer herzlichen, unkomplizierten Art. Wenn du die Möglichkeit hast, besuche auf jeden Fall mal ein Seminar bei ihr – das hat bei mir noch mal einiges zum Anstoßen gebracht und mir selbst sehr weitergeholfen. Es war eine eindrückliche Erfahrung!
      Herzliche Grüße und alles Liebe,
      Alessa

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