Alessa Neuner

A Life dedicated to Horses

Über vermeintliche Sicherheiten und die große Freiheit

Frei auf dem Feld unterwegs - Leichtsinn oder steckt etwa doch mehr dahinter?

Frei auf dem Feld unterwegs – Leichtsinn? Oder steckt etwa doch mehr dahinter?

Manchmal habe ich das Gefühl, die Menschen vergessen, wie viel Kraft unsere Pferde haben. So oft scheint es, als würde ihnen gar nicht bewusst sein, dass sie da eben mal 500 kg oder mehr am Strick hängen haben. Das einzig Gute daran – die Pferde wissen es oft selbst nicht besser!

Dennoch möchte ich heute mal ein paar Worte zum Thema Sicherheit verlieren. Wie ihr sicher wisst, arbeite ich sehr gerne frei mit meinen Pferden, sobald es geht. Generell ist es mein Ziel, mit möglichst wenig Hilfsmitteln auszukommen. Das bedeutet aber nicht, dass ich einfach Halfter und Strick ins Eck werfe und frei mit meinem Pferd los spaziere.

Dass dies meist schief gehen wird, ist wohl jedem klar. Bevor ich mit meinem Pferd nur mit einem leichten Sidepull, einem Halsring oder ganz ohne Hilfsmittel kommunizieren kann, bedarf es einer Menge Vorarbeit. Mein Pferd muss erst einmal auf meine Hilfen und Signale konditioniert werden. Das kann man sich so vorstellen, als würden wir gemeinsam eine neue Sprache lernen, bei der jeder ein wenig von seinen bereits vorhanenden Sprachgewohnheiten einbringt. Erst wenn mein Pferd und ich in dieser Sprache sicher miteinander kommunizieren können, können wir auf die vorher nötigen Hilfsmittel verzichten.

Kann mir ein übliches Stallhalfter wirklich die Sicherheit bieten, die damit immer angenommen wird?

Kann mir ein Stallhalfter wirklich die Sicherheit bieten, die man üblicherweise immer damit verbindet?

Doch wieso gehen fast alle Leute davon aus, dass ich auf diese gemeinsame Sprache verzichten kann, sobald ich mein Pferd mit den üblichen Hilfsmitteln ausrüste? Es scheint allgemein hin als sicher zu gelten, sobald mein Pferd mit Sattel und Trense ausgerüstet ist und ich mit einem Helm auf dem Kopf darauf sitze. Auch wenn ich dieses Pferd gerade zum ersten Mal sehe – die Allgemeinheit würde hier anmerken, dass doch alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Für mich ist das einer der größten Irrtümer in der Welt der Pferde! Denn wie kann ich annehmen, 500kg Masse kontrollieren zu können, nur weil ich diese 500kg ein wenig zusammengeschnürt habe und mir einen Helm auf den Kopf gesetzt habe?

Für mich ist dies ein Punkt, an dem jeder Reiter einmal umdenken sollte. Kein Hilfsmittel der Welt wird ein Pferd wirklich unter Kontrolle halten können. Andernfalls würde es ja keine Unfälle mehr geben – es würden keine Pferde mehr durchgehen, den Reiter abwerfen oder über den Haufen rennen. Es ist also in meinen Augen einfach ein wahnsinniger Irrglaube, die Sicherheit anhand der Ausrüstung beurteilen zu wollen!

Was aber ist nun die Lösung? Was verspricht mir wirkliche Sicherheit? Ich denke, vorerst müssen wir uns darüber klar werden, dass ein Pferd immer ein Fluchttier mit seinem eigenen Kopf bleiben wird, dessen Reaktionen wir niemals vollkommen kontrollieren können. Es wäre ja auch wirklich schlimm, wenn das so einfach funktionieren würde. Die vollkommene Sicherheit wird es also nie geben, dessen müssen wir uns bewusst sein.

Oft sind wir uns der Kraft und Stärke unserer Pferde gar nicht bewusst. Würden wir uns dies jedoch vor Augen halten, würde uns schnell klar werden, dass kein Hilfsmittel der Welt für Sicherheit sorgen kann.

Oft sind wir uns der Kraft und Stärke unserer Pferde gar nicht bewusst. Würden wir uns dies jedoch vor Augen halten, würde uns schnell klar werden, dass kein Hilfsmittel der Welt für Sicherheit sorgen kann.

Ich denke aber, wir können selbst einen großen Beitrag dazu leisten, für einen (relativ) sicheren Umgang mit unseren Pferden zu sorgen. Hier möchte ich nochmal auf das Thema der gemeinsamen Sprache eingehen. Denn in meinen Augen ist es dies, was uns wirklich Sicherheit bieten kann. Nur mit einem Pferd, welches mir vertraut und welches zuverlässig und gerne auf meine Signale reagiert, fühle ich mich im Umgang wirklich sicher. Im Zweifelsfall kann mich kein Strick der Welt vor etwas beschützen. Aber mein Pferd kann es, indem es gelernt hat, auf mich zu achten! Es respektiert mich genauso wie es mir Vertrauen schenkt. Genau das ist es, was mir mit meinen Pferden Sicherheit verspricht.

Das heißt nicht, dass meine Hilfsmittel nun im Schrank verstauben werden. Aber das bedeutet, dass ich sehr viel Zeit und Geduld in die Ausbildung meiner Pferde investiere. Denn das ist es letztendlich, was uns die größte Sicherheit bieten kann. Bin ich damit an einem gewissen Punkt angekommen, dann kann ich mit Halsring und ohne Sattel über eine Wiese galoppieren, mit meinem Pferd am Halsring spazieren gehen oder es unangebunden überall stehen lassen. Und ich garantiere, dass ich damit mehr Sicherheit bieten kann, als die meisten Pferde, die zwar mit Ausrüstung, dafür aber ohne jegliche gemeinsame Basis gearbeitet werden.

Wenn ich also mit meinem Pferd am leichten Halsring durch den Wald laufe und von entgegenkommenden Reitern in klassischer Verschnürung schief angeschaut werden, dann kann ich nur lächeln. Denn ich weiß – das Band, das mich mit meinem Pferd verbindet, ist so viel stärker als jeder Strick der Welt!

Das Band zwischen mir und dir, welches unsere Herzen verbindet - das ist es, was uns die größte Sicherheit geben kann.

Das Band zwischen mir und dir, welches unsere Herzen verbindet – das ist es, was uns die größte Sicherheit geben kann.

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3 Kommentare

  1. Genau das ist der springende Punkt, wer eins ist mit seinem Pferd und immer wieder von neuem arbeitet, der kann sich seines Pferdes sicher sein. In der Arbeit mit meinem Pferd sehe ich immer wieder, wie es mich beobachtet und auf mich reagiert und ganz wichtig ist mir zu schauen, wie es meinem Pferd dabei geht. Wenn ich es resepktiere und ernst nehme, dann fühlt es sich sicher und wird mir dann Sicherheit geben. Das ist halt ein Weg der über Jahre geht und egal wie lang der Weg ist ich werde ihn gehen und mein Pferd wird mir zeigen wann es bereit ist mich zu tragen

  2. Marina Vincke

    30. August 2014 um 20:27

    Völlig richtig!!! So habe ich das immer gesehen und werde es immer so sehen! Kommunikation und Freundschaft = Sicherheit!

  3. Der letzte Satz ist sooooo schön .. und so wahr! *_*

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