Alessa Neuner

A Life dedicated to Horses

Über Entschleunigung. Oder davon, einfach „Pferd“ zu sein. 

"Nimmst du mich mit in deine Welt, mein Freund?" Einfach mal "Pferd" zu sein kann so schön sein...

„Nimmst du mich mit in deine Welt, mein Freund?“ Einfach mal „Pferd“ zu sein kann so schön sein…

Ich liebe es, mit meinen Pferden Spazieren zu gehen. Die Natur zu genießen und einfach mal abzuschalten. Mit diesen Gedanken im Kopf brach ich auch heute morgen mit Khayman auf eine gemeinsame Runde in den Wald auf. Doch irgendwie wollte der Frieden nicht so recht einkehren. Ständig musste ich Khayman ermahnen, doch mal nicht andauernd stehen zu bleiben und hier und da zu glotzen und irgendwie war ich ziemlich bald sehr genervt von ihm. Er jedoch schaute mich ganz unverständlich und irritiert über meinen Unmut an, als verstünde er nicht, worum es bei einem Spaziergang ging. 

Und plötzlich wurde mir klar: Er verstand wirklich nicht! Er verstand nicht, warum es unbedingt diese eine Runde sein musste und nicht spontan doch die andere, wo der Weg gerade so verlockend aussieht. Warum wir die Runde in der gegebenen Zeit zurücklegen mussten und nicht einfach so lange brauchen konnten, wie wir eben brauchen würden. Und er verstand auch nicht, warum er sich nicht kratzen durfte, wenn es ihn gerade juckte oder er nicht nach dem Gras haschen sollte, das gerade so verführerisch in der Nase duftete.

Der Wind in den Haaren, das Gestein unter den Füßen, die Geräusche des Waldes: Das ist die Welt, in der unsere Pferde leben. Und in die sie uns gerne mitnehmen, wenn wir bereit dafür sind.

Der Wind in den Haaren, das Gestein unter den Füßen, die Geräusche des Waldes: Das ist die Welt, in der unsere Pferde leben. Und in die sie uns gerne mitnehmen, wenn wir bereit dafür sind.

Und mit dem Moment, als ich Khayman verstand, verstand ich mich selbst nicht mehr. Ich brach auf einen Spaziergang auf mit der Intention, Zeit mit meinem Pferd zu verbringen, den Kopf abzuschalten und einfach das Zusammensein zu genießen. Und genau das verhinderte ich, indem ich mir selbst im Weg stand. Menschlich wie wir eben sind, hatte ich natürlich vorher alles durchgeplant und war schließlich genervt, als Khayman meine Pläne durchkreuzen wollte.

Diese Erkenntnis machte mich erst einmal etwas traurig. Denn mein Verhalten ist zwar für mich und wohl auch für euch alle verständlich. In unserer Welt ist es nun einmal nötig, eine Sturktur zu haben, sich ein Ziel zu setzen und dafür hinzuarbeiten. Aber in Khaymans Augen war mein Verhalten völlig unverständlich.

Volle Terminkalender, Stress und Hektik -  das ist eine Welt, die unsere Pferde nicht kennen. Ab und zu von dieser Welt zu entfliehen, dabei helfen uns die Pferde.

Volle Terminkalender, Stress und Hektik – das ist eine Welt, die unsere Pferde nicht kennen. Ab und zu von dieser Welt zu entfliehen, dabei helfen uns die Pferde.

So standen wir nun beisammen im Wald und ich beschloss, einfach einmal „Pferd“ zu sein. Aufzuhören, irgendwelchen Plänen zu folgen und tatsächlich im Hier und Jetzt zu sein, wie man so schön sagt. Doch das war leichter gesagt, als getan. Unser ständiges Gehetze sitzt so tief in uns drin! Aber ich denke, umso wichtiger und erleichternd ist es, wenn wir das tatsächlich mal versuchen abzuschalten.
Ich lies Khayman also den Strick lang und wartete einfach ab, was passieren würde. Khayman führte mich zum Waldrand und begann, ein wenig am Boden umher zu schnuffeln. Ich setzte mich zu ihm. Versuchte, mit ihm gemein in den Wald zu horchen. Gemeinsam den Wind übers Gesicht streichen zu lassen und all die Eindrücke des Waldes in mir aufzunehmen.

 Und plötzlich war ich dort angekommen, wo ich eigentlich die ganze Zeit hinwollte: Im Wald, bei Khayman und bei mir selbst. Wie von einem starken Windstoß getrieben ließ ich meine Gedanken davontreiben und genoß einfach unser Beisammensein. Mal wieder hatte es Khayman geschafft, mir eine wichtige Lektion zu lehren. „Pferd“ zu sein ist gar nicht so einfach. Aber es lohnt sich so sehr, es zu versuchen, denn es fühlt sich unglaublich gut an! Hört auf eure Pferde, sie werden es euch zeigen! 🙂

Idylle pur - sie zu genießen, muss man sich manchmal wirklich bewusst ins Hier und Jetzt versetzen.

Idylle pur – sie zu genießen, muss man sich manchmal wirklich bewusst ins Hier und Jetzt versetzen.

Eine kleine Inspiration zu diesem schönen Thema habe ich hier als Video für euch – viel Spaß beim Schauen!

Und nachdem dieses wunderbare Thema viel zu viel Stoff für nur einen Artikel ist, habe ich hier noch eine kleine Leseempfehlung für euch, die ich euch gerne ans Herz legen möchte: Was das Ganze mit Einhörnern und der Bedeutung von Farben zu tun hat, das könnt ihr bei dem wundervollen Blog Tash Horse Experience nachlesen.

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16 Kommentare

  1. Schön! ❤️
    Ja, so geht es mir mit Tassi auch öfters mal! 😉 Du bist nicht allein! 😀 Ich finde es auch noch immer total schwer runterzukommen und den Kopf frei zubekommen, obwohl Tassi und ich altersbedingt eigentlich täglich spazieren gehen. Jedenfalls im Winter ist es ziemlich schwer einen klaren Kopf zu bekommen und nicht so viel zu ermahnen… Ich ertappe mich bei Sonnenschein immer dabei super ausgeglichen zu sein und !gemeinsam! Mit Tassi durch die Gegend zu schlendern, aber bei eckligem Wetter nicht abschalten zu können… Die liebe Hektik… NICHT! 😉 😀
    Liebe Grüße,
    Carolin

    • Alessa

      21. Februar 2015 um 16:10

      Liebe Carolin,
      es tut immer sehr gut zu wissen, dass man mit seinen Gedanken und Alltags-Problemchen nicht alleine ist! 😀
      Gerade wenn etwas zum Alltag wird, ist es finde ich so schwierig, es trotzdem irgendwie nicht zu „alltäglich“ werden zu lassen 😀 Aber irgendwie schaffen es die Pferde doch immer wieder auf ihre wundervolle Weise, uns zum Zuhören zu animieren! <3
      Herzliche Grüße!
      Alessa

      • Ja genau!!! Tassi hat „Ausraster“, wie ich sie liebevoll getauft habe 😉 und die helfen mir die normalen Tage, an denen Tassi perfekt ist bzw. für andere Leute normal , weil deren Pferde meistens so sind, wie Tassi in ihrem perfekten Zustand, noch mehr wert zuschätzen, wie ich es eh schon mache. Verstehst du den Satz? 😀 Diese „Ausraster“ sind Kurzschlüsse, an denen Tassi losläuft, wiehert, in Panik gerät, umentspannt ist und Alles und Jeden um ihr herum vergisst. Sie ist einfach ein ungeduldiges Pferd, aber wir üben dran. Sie ist eben schon fast 33 Jahre alt und weil sie mit 28 Jahren aus dem Reitschulbetrieb zu mir kam , hat sie einfach so etwas wie Gelände und Geduld und noch viele weitere Dinge nicht so gelernt, wie es andere Pferde das Glück haben. Aber wir sind Beide auf einem sehr guten Weg die doofen „Ausraster“ in den Griff zu bekommen 😉 .

        • Alessa

          21. Februar 2015 um 17:50

          Ich verstehe total, was du meinst 🙂 Aber ich muss jetzt auch mal sagen, wie wundervoll ich es finde, was du für deine Tassi investierst – für sie muss das nach ihrer Schulpferde-Zeit einfach das Paradies auf Erden sein! <3 Das freut mich einfach so so sehr für sie! 🙂

          • Wie lieb! Dankeschön 🙂 . Ich könnte meiner Meinung nach noch viel viel mehr machen, aber da spielt manchmal einfach nicht die liebe Zeit mit… Ich gehe ja noch zur Schule 😉 . Aber ich denke das ist für Tassi so auch völlig okay. Ich denke, es fällt Jedem schwer das zu erkennen, was man schon alles für sein Pferd macht, und nicht die Dinge, die man nicht macht. Ich bin da nämlich ein sehr sehr guter Kandidat für 😀 . Ich werde mich jetzt gleich in einen kalten-nebeligen.regnerischen Morgen begehen, um mit Tassi spazieren zu gehen und werde sie entscheiden lassen, wo es her geht und welches Tempo 🙂 . Mir ist nämlich gestern klar geworden: Um diese „Ausraster“ zu vermeiden, möchte ich Tassi jetzt das stehen Bleiben im Gelände klar machen. Klappt auch schon ganz gut, aber was ist, wenn ich mich selber einfach immens entspanne (n muss) ?! Vielleicht ist das ja der Schlüssel? Ich glaube, ich lasse die Möhrchen heute mal bewusst zuhause. 😉 Soll ich dir hinterher einen kurzen Bericht erstatten? 😀

  2. Toll geschrieben ! ❤

    Ohja wie ich es auch kenne Mädels 🙂 !
    Man malt sich schon im Kopf einen super entspannnten Spaziergang vor und dann will es einfach nicht passen

  3. Du sprichst mir aus der Seele! 😛 genau so geht es mir Auch immer 😀 und ich muss mich so oft selbst ermahnen, dass es nicht darum geht nur die eine Strecke hinter mich zu bringen und mir vor augen führen, warum ich das überhaupt mache! 🙂 Vor allem weil mein Zwergenpferd auch sooo gerne stehen bleibt und wirklich ein paar (gefühlte) stuuuuundeen irgendwas einfach nur anschaut 😀 aber um ehrlich zu sein bin ich darüber ziemlich froh, denn wenn ich so zum teil andere Pferde aus dem Stall sehe, die von ihren Menschen hinter sich her gezogen werden, sich das schon abgewöhnt haben und nur wie so Roboter im rennschritt da lang trotten. ..

    • Und letztens habe ich dann einfach ihn entscheiden lassen wo es lang geht , meine Pläne liegen gelassen und wir hatten so einen wunderschönen Spaziergang, bei dem wir ganz tolle wiesen und Wege entdeckt haben und er ,obwohl er nicht unbedingt so der schnauber ist, ganz oft seine Zufriedenheit laut kund getan hat 🙂

  4. Hi Alessa,

    toll geschrieben! Mir geht’s viel zu oft so und es is wirklich schwer mal einen Gang runter zu schalten. Aber um so toller ist es wenn man das manchmal schafft, da stimmt dann einfach alles und man ist einfach glücklich 🙂

    Liebe Grüße
    Santana & Lisa

  5. Alessa

    21. Februar 2015 um 17:52

    Ach Mädels ich finds echt schön, dass ihr alle das auch kennt UND dass ihr aber die Einstellung habt, euer Pferd einfach mal Pferd sein zu lassen! 🙂
    Katinka hat glaub ich auch was Wichtiges auf den Punkt gebracht: Wir sollten wirklich froh sein, dass unsere Pferde noch so viel Persönlichkeit haben, auch einen eigenen Willen zu haben und eben nicht immer nach unserer Pfeife tanzen. Sonst würden wir ja nie dazulernen 😀

  6. Oh Alessa, es ist wieder mal als würdest du meine Gedanken aufschreiben… Wie oft war ich schon in der gleichen Situation! Meist geht es mir dann genauso wie dir, aber wirklich ganz genau so, das ist ja schon fast gruselig 😉
    Aber es ist echt ein riesiger Unterschied, ob man sich einen Plan macht und den dann einfach durchzieht indem man sein Pferd wie einen Hund spazieren führt, oder ob man mit dem Pferd ZUSAMMEN spazieren geht, wie mit einem Freund; wenn beide gleichberechtigt sind und den Spaziergang mitgestalten dürfen, aber ich dabei trotzdem noch die „führende“ Person bleibe, an der mein Pferd sich orientiert und an die es sich hält, wenn es sich z.B. erschrickt oder so.
    Und wenn mit das dann auch in der Praxis gelingt und ich einfach im Hier und Jetzt ganz bei meinem Pferd bin, dann wird es auch ein wunderschöner Spaziergang, den wir gemeinsam beginnen und auch gemeinsam in Harmonie beenden <3

  7. Toller Bericht!
    Ich ertappe mich auch öfters dabei. Schön, dass es anderen auch so geht.
    In dem Moment, in dem ich mich ertappe, hab ich dann meistens ein schlechtes Gewissen, weil mein Pferd ja nichts gemacht hat, aber ich von ihm genervt war. Das Pferd tut ja nur, was es immer tut

  8. Sehr sehr berührender Artikel liebe Alessa!

    Genau das versuche ich auch immer wieder, und ständig stehe ich mir selbst beim „mit dem Pferd sein“ im Weg. Danke, dass du mir das noch mal vor Augen geführt hast! 🙂

  9. Hi Ihr,

    erst einmal ein wunderschöner Einblick in den Unterschied von Mensch und Pferd. Zudem noch so berichtet, als würde es meine Erlebnisse beschreiben. Ich stapfe auch oft vor micht hin, egal ob mit Hund oder Pferd und mir geht alles mögliche durch den Kopf. Eigentlich sollte man diese Zeit genießen und alles um sich herum wahrnehmen. Da sind uns unsere lieben Tiere alle voraus. Man kann so viel von ihnen lernen. Den bevorstehenden Regen zu riechen und als selbstverständlich anzusehen, das Leid des Windes zu hören und einfach mal abschalten. Da können wir mal wieder sehen, wie weit uns unsere Wahrnehmung oft im Stich läßt und gerade wenn etwas mit unseren Tieren nicht klappt wie am Schnürchen, dann sollen wir etwas daraus lernen. Vielen Dank für die wirklich schöne Erfahrung. LG

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