Alessa Neuner

A Life dedicated to Horses

Selbstversorger – Traum oder Alptraum? 

Der eigene Stall für die lieben Vierbeiner - Traum oder Alptraum?

Der eigene Stall für die lieben Vierbeiner – Traum oder Alptraum?

Pferdehaltung ist ein Thema, bei dem sich die Geister scheiden. Wo auf der einen Seite noch Verfechter der wohl traditionellsten Haltungsmethode, der Boxenhaltung, für deren Existenz plädieren, etwickelt sich seit kurzem eine neue Entwicklung. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse führen dazu, dass immer mehr Offen- und Aktivställe gebaut werden und ein Umdenken stattfinden. Sehr zum Wohle der Pferde, wie ich finde! Doch ich möchte hier gar nicht über grundlegende Haltungsformen sprechen, dafür wird es sicherlich mal ein eigenes Thema geben. Heute möchte ich stattdessen über eine besondere Form der Pferdhaltung schreiben: Die Pferde als Selbstversorger in Eigenregie zu halten.

Was für den Einen sicherlich der Traum schlechthin ist, empfindet der Andere vielleicht als wahren Alptraum. Hier möchte ich heute mal ein wenig aus meiner Erfahrung als Selbstversorgerin sprechen, um euch einen Einblick in diese Welt zu geben.
Seit nun fast 6 Jahren halten wir unsere Pferde in EIgenregie, mittlerweile auch mit einem eigenem (Offen)Stall. Ich möchte diese Form der Pferdehaltung nicht mehr missen, kann jedoch auch nicht nur von Vorteilen sprechen. Es fing damals alles damit an, dass wir einfach unzufrieden mit den gebotenen Leistungen des Stalls waren, wo unsere Pferde untergestellt waren. Wir zahlten schließlich einen stolzen Preis und mussten dennoch immer wieder auf die bezahlten Leistungen pochen. Wirklich zufriedenstellend war es eigentlich nie. Einen großen Teil der bezahlten Arbeit übernahmen wir letzendlich doch selbst. Ich denke, diese Probleme kennen leider viele Pferdebesitzer. Natürlich muss man auch die Seite der Stallbetreiber sehen. Hat man doch eine Zahl von 20, 30 oder mehr Pferden im Stall stehen, kann das Einzelne niemals so behandelt werden wie das eigene Pferd. Extrawünsche werden in einigen Ställen versucht umzusetzen, jedoch sind dem Ganzen natürlich Grenzen gesetzt. Auch wenn man sich im Großen und Ganzen aussuchen kann, in welcher Haltungsform sein Pferd stehen soll – an die dortigen Gegebenheiten muss man sich dennoch anpassen. So kann ich selten bestimmen, wie lange mein einzelnes Pferd in einer Offenstall-Herde auf die Koppel darf. Genauso wenig kann ich Einfluss auf die Herdenzusammenstellung nehmen. Ein Kommen und Gehen der Pferde, welches immer zu Unruhen füht, muss wohl in jedem konventionellen Stall hingenommen werden. Auch wenn ich also als Einsteller den Großteil der Verantworung abgeben kann, so muss ich mich dennoch immer wieder um (oft ärgerliche) Situationen kümmern. So ganz perfekt und nach meinen Wünschen wird es in einem Pensionsstall wohl nie ablaufen.

Eigentlich ist der Pensionsstall ja nicht so schlecht - aber irgendwie passt doch Vieles einfach nicht?

Eigentlich ist der Pensionsstall ja nicht so schlecht – aber irgendwie passt doch Vieles einfach nicht?

Ganz anders sieht das natürlich aus, wenn ich meine Pferde selbst versorge! Bei uns war bald klar, dass dies die bessere Lösung sein würde. Dabei müssen natürlich aber gewisse Bedingungen gegeben sein. Denn ein eigener Stall kann ein absoluter Traum sein, allerdings wandelt sich dieser ganz schnell in einen Alptraum, wenn die Umstände nicht passen.
Was brauche ich also für Konditionen, um meine Pferde in Eigenregie halten zu können?

Ich denke, das Wichtigste ist: Zeit. Egal wie viele Pferde ich auf welcher Fläche halte, es wird immer eine Menge Zeit brauchen, um den Stall zu verwalten und die Pferde ordentlich zu versorgen. Alleine ist dies in den seltensten Fällen zu managen. Deshalb ist es natürlich sehr von Vorteil, wenn man sich zu einer Stallgemeinschaft zusammenfindet oder den Stall als Familienbetrieb führen kann. Man muss sich jedoch wirklich bewusst sein, dass eine Menge Zeit dabei draufgehen wird, sich einfach um den Stall zu kümmern. Letzendlich ist dies auch Zeit, die ich sonst für die Arbeit mit meinen Pferden nutzen könnte. An Tagen, wo andere nur kurz an den Stall fahren, um sich für ein Stündchen mit ihren Pferden zu beschäftigen, mache ich ausschließlich Stallarbeit. Ebenso sollte man nicht vergessen, dass ein eigener Stall immer mit einem nicht zu verachtenden Teil körperlicher Arbeit verbunden ist. An besonders heißen Tagen im Sommer oder eiskalten Tagen im Winter hat man nach der Stallarbeit einfach keine Energie mehr übrig, um die Pferde noch zu beschäftigen.

Gerade im Winter gerät man mit dem eigenen Stall manchmal wirklich an seine Grenzen.

Gerade im Winter gerät man mit dem eigenen Stall manchmal wirklich an seine Grenzen.

Warscheinlich fragt ihr euch nun, warum in aller Welt ich dann immer noch Selbstversorger sein möchte?
Einfach, weil ich es trotz all der Nachteile nicht mehr missen möchte, meine Pferde auf diese Art zu erleben. Denn auch wenn vielleicht die aktive Zeit zusammen weniger wird, so verbringe ich unglaublich viel Zeit damit, einfach mit den Pferden zusammen zu sein. Das ermöglicht mir nochmal eine ganz andere Beziehung zu meinen Pferden, da bin ich mir ganz sicher.
Heute, mit meinem eigenen Stall, kann ich meine Pferde wirklich so halten, wie ich es für am Besten halte. Das beeinhaltet für uns auch eine Menge Arbeit. Aber ich glaube, gleichzeitig spare ich mir viel Ärger, den ich in einem Pensionsstall hätte. Abgesehen davon ist es einfach ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass man über alle Vorgänge im Stall Bescheid weiß. So wird mir einiges Verhalten meiner Pferde ganz schnell klar, wo ich andernfalls sicher zu rätseln hätte.

Auch wenn ich an Tagen wie heute, wo der Regen in Strömen vom Himmel fällt, gerne nur jammern würde – missen möchte ich diese Art der Pferdehaltung nie mehr! Ich glaube, dass es mich in der Beziehung zu meinen Pferden um Einiges weiter gebracht hat.
Der ganz große Traum jedoch wartet noch darauf, erfüllt zu werden: Die Pferde am Haus zu halten! Aufzuwachen, aus dem Fenster zu sehen und meine Pferde schnauben zu hören. Das ist es, was das Glück wohl noch perfekt machen würde!

Mit der Versorgung der eigenen Pferde öffnet sich einfach eine neue Welt, die neben der Arbeit doch so viele schöne Momente beinhaltet!

Mit der Versorgung der eigenen Pferde öffnet sich einfach eine ganz neue Welt, die mir neben der Arbeit doch so viele unglaublich schöne Momente schenkt!

Wenn ihr euch dafür interessiert, wie es in meinem Stall so aussieht, dann schaut doch mal hier rein:


Hier klicken um zu teilen...
Share on FacebookGoogle+Tweet about this on TwitterEmail to someonePrint this page

3 Kommentare

  1. Toller ehrlicher Artikel mit, wie immer, wunderschönen Bildern!
    Mein Pony steht mit drei weiteren Pferden auf einem Bauernhof. Wir 4 Besitzer übernehmen im Winter alle anfallenden Arbeiten wie füttern, misten, rein- und rausbringen, Heunetze stopfen und in den Boxen und auf dem Paddock verteilen. Wir teilen die Arbeiten untereinander auf. Im Sommer fällt deutlich weniger Arbeit für uns an. Die Pferde stehen 24 Stunden draußen und die Weidepflege und das Weiterstecken, übernimmt der Stallbesitzer. Wir packen dann beim Heu- und Strohabladen mit an. Ich persönlich liebe Stallarbeit und für mich gehört es dazu, weil ich es nie anders kennengelernt habe.
    Mein Traum wäre ein OS zur Pacht und der Wahnsinn wäre natürlich die Pferde am eigenen Haus stehen zu haben. Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass dieser Wunsch eines Tages wahr werden könnte…

  2. Toller Artikel! Ich träume auch davon, mir einen eigenen Stall pachten zu können oder noch besser, Haus mit Stall gleich dabei. Habt ihr die Pferde direkt dort wo ihr wohnt oder müsst ihr ein Stück fahren (konnte das nicht direkt raus lesen …) … je näher desto besser finde ich ja immer 🙂

    Ich habe zumindest gerade das Glück privat untergekommen zu sein, ich kann zu Fuss zum Pferd gehen, helfe bei allen mit – Ausmisten, Koppel misten etc. Heunetze bedampfen muss sein für mein Pony, das mache ich sowieso jeden Tag selber für 2 Pferde und einen Esel. Im Winter oft schwer sich zu motivieren, aber wenn man mal draußen ist, ist des doch wunderschön! Die Stirnlampe ist dann mein treuer Begleiter .-)
    Noch lieber wäre mir trotzdem alles ganz so wie ich das möchte machen zu können, irgendwann finde ich das richtige!

    • Alessa

      10. Januar 2015 um 10:56

      Hallo liebe Kladuia,
      wir müssen leider ein Stück zum Stall fahren, da wir ein paar Orte weiter wohnen. Das ist leider nicht perfekt, aber momentan nicht anders machbar. Ein Traum wäre es definitiv noch, die Pferde direkt am Haus zu haben! 🙂
      Aber manchmal muss man eben etwas warten, bis sich solche Träume erfüllen… 😉

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

© 2017 Alessa Neuner

Theme von Anders NorenNach oben ↑

banner