Ein erstes Hallo unter zukünftigen Freunden.

Seit nun ziemlich genau vier Wochen habe ich einen weiteren vierbeinigen Freund an meiner Seite. Nachdem ich meine Kindheit und Jugend durch immer von Hunden begleitet wurde, sehnte ich mich die letzten Jahre wieder nach einem solchen Begleiter. Es sollte ein bisschen dauern und dann doch so schnell gehen.

Cenai ist ein nun 12 Wochen alter Großpudel Welpe und Cenai möchte einmal ein Reitbegleithund werden. Ich sehe uns schon gemeinsam mit Khayman durch die Wälder streifen. Im wilden Galopp nebeneinander über die Felder düsen und anschließend zufrieden und gemütlich am Stall herumlungern. Ich bin mir sicher, diese Vision wird bald Wirklichkeit werden. Ich habe es noch nie bereut, fest an meine Träume zu glauben. Wie wundervoll kribbelig es sich anfühlt, dabei zu sein, diesen Traum zur Realität zu formen! Und doch gehört natürlich ein wenig Arbeit dazu, einen Junghund zum sicheren Reitbegleithund auszubilden. Cenai ist nun erst seit wenigen Wochen bei uns und doch hat er schon eine Menge gelernt. Ich denke, die Basis wird genau in diesen ersten Wochen gelegt und ich freue mich, euch nun von unserer ersten gemeinsamen Zeit zu berichten.

Wer einmal ein großer Reitbegleithund werden will, muss klein beginnen. Die ersten zaghaften Begegnungen mit den großen Freunden machen wir lieber noch im sicherem Schutz von Frauchens Schoß aus. 

Auch wenn wir uns dann doch recht schnell für Cenai entschieden haben, habe ich mir natürlich vorab schon viele Gedanken gemacht. Da ich als Pferdetrainerin täglich an vielen verschiedenen Ställen unterwegs bin und meinen Hund immer dabei haben möchte, hatte ich durchaus einige Anforderungen an meinen zukünftigen Hund. In erster Linie sollte er sozialverträglich mit anderen Hunden und Menschen sein. Ein ausgeprägter Jagdtrieb wäre für mich ziemlich schwierig, weil ich meinen Hund auch im Gelände am Pferd frei laufen lassen möchte. Da ich bei Wind und Wetter unterwegs bin, sollte mein zukünftiger Begleiter weder mit Hitze noch mit Kälte große Probleme haben. Allein bei diesen Anforderungen blieben schon nicht mehr viele Hunde übrig. Lange spielte ich mit dem Gedanken, mir einen Hund aus dem Tierschutz zu holen. Immer noch finde ich den Gedanken schön und bin mir sicher, dass ich das eines Tages tun werde. Und dennoch habe ich mich dagegen entschieden. Denn bei einem Hund vom Tierschutz ist es meist einfach ungewiss, wie sie sich entwickeln werden. In mein Leben passt aber momentan nur ein Hund, der sich gut anpassen kann und keine großen Probleme mit sich bringt. Deshalb habe ich mich bewusst für einen Hund von einem guten Züchter entschieden (mehr zu Cenais Züchterin könnt ihr hier erfahren). Damit unterstütze ich auch die Leute, die bewusst aufklären und ihre Welpen nur an Plätze abgeben, an denen sie ihr Leben lang bleiben können. In meinen Augen ist auch das Tierschutz.

Cenai mit seinen Eltern, die mich von der Rasse Großpudel überzeugten.

Auf den Großpudel kam ich nun eher zufällig und die Entscheidung für einen dieser Welpen fällte ich vor allem, weil mich die beiden Elterntiere und die Aufzucht überzeugten. Ein Großpudel bringt natürlich auch den großen Vorteil mit sich, dass diese Hunde nicht haaren, somit auch allergikerfreundlich sind und nicht wie andere große Hunde oft einen intensiven Eigengeruch entwickeln. Das erste Mal gesehen habe ich meinen kleinen Spatz mit gerade mal zwei Wochen. Nachdem alle Welpen recht ähnlich gezeichnet waren, bekam jeder nach der Geburt ein buntes Band um den Hals. „Herr Hellgrün“ hat es uns schon beim ersten Besuch angetan und bei den weiteren Besuchen stand bald fest, dass er es werden sollte, der mich zukünftig durch die Welt begleiten soll. Wie verrückt und aufregend dieser Gedanke nur ist!

Ein paar Wochen später kam der Tag, an dem Cenai bei uns einzog. Auch wenn ich mein Leben lang Hunde hatte, habe ich mich davor mit einigen Büchern wieder auf den aktuellen Stand gebracht. Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass in der Hundeerziehung die positive Verstärkung anscheinend schon lange Wurzeln geschlagen hatte und durchwegs als beste Trainingsmethode dargestellt wurde. Was für eine schöne Erkenntnis! Falls euch auch nach guten Büchern ist kann ich euch folgende Bücher empfehlen:

  • „Retrieverschule für Welpen“ von Norma Zvolsky
  • „Hoffnung auf Freundschaft“ von Michael Grewe und Inez Meyer
  • „Positiv verstärken. Sanft erziehen“ von Karen Pryor

Die ersten Tage mit dem kleinen Wurm waren wunderschön. Und doch würde ich lügen wenn ich nicht zugeben würde, dass ich überfordert war. Es klappte alles prima, aber die Unsicherheit mit der Verantwortung für so ein kleines Wesen war durchaus da. Nach und nach aber, indem wir uns immer besser kennenlernten, konnte ich wieder entspannt und mit Freude meinem Bauchgefühl die Herrschaft übergeben. Cenai lebte sich so schnell und unkompliziert ein, dass ich manchmal wirklich schon überlegen muss, wie es ohne ihn war.

Die Welt aus der Sicht eines Hundewelpen neu mit zu entdecken ist einfach nur schön!

Mir war es wichtig, den Kleinen möglichst bald an meinen Alltag zu gewöhnen. In der ersten Woche, in der ich mir Urlaub nahm, ging es also immer mal wieder zum Stall und den Pferden. Natürlich sollte er die großen Tiere kennenlernen und keine Angst vor ihnen entwickeln. Noch viel wichtiger aber war mir seine Sicherheit – und dazu gehörte, dass er Respekt vor den Pferden hatte. Ich finde nichts gefählicher als ein Hund, der zwischen Pferdebeinen herumwuselt. Khayman half mir bei dieser Erziehung recht schnell: so begrüßte ich Khayman am ersten Tag mit dem Kleinen und dieser lief natürlich schnurstracks ebenfalls zu Khayman – und wurde von diesem mit einem lauten und unfreundlichem Schnauben begrüßt. Das reichte für das Hundekind schon, um einen ziemlichen Schrecken zu bekommen. Natürlich tat er mir Leid, als er mit eingezogenem Schwanz und Angst in den Augen das Weite suchte. Aber er wurde gleich liebevoll von meinem Freund abgefangen und konnte dort aus der Entfernung heraus weiter das Geschehen beobachten. Ich denke, es war durchaus ein Vorteil, dass er so jung schon am Stall dabei war sich so leicht beeindrucken ließ. Heute, ein paar Wochen später, lässt er sich kaum noch von etwas erschrecken. Die Pferde behandelt er aber immer noch mit großem Respekt und zieht einen großen Kreis um sie. Das habe ich auch immer bestärkt und ihn eindringlich ermahnt, wenn er zu Nahe kam.

Seine erste Aufgabe am Stall hat er also mit Bravour und einem kleinen Schrecken gemeistert. Weiter ging es mit der Aufgabe, nun auch mit etwas Abstand zu warten während ich am Pferd arbeite. Das war durchaus eine größere Herausforderung, denn das Schwierigste ist für Cenai nach wie vor, mich nicht auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Bei dieser Aufgabe leistet uns unsere Auto-Transportbox große Hilfe. Vom ersten Tag an war das seine Rückzugshöhle, die immer positiv besetzt wurde. Bald schon liebte er sie und ich begann, ihn dort „zu parken“ während ich am Pferd war. Was anfangs nur ein paar Minuten und ganz in der Nähe geübt wurde, ging bald schon für eine ganze Einheit und auch so, dass er brav in der Box gewartet hat während ich durch die ganze Halle ritt. Aber glaubt mir – was jetzt so einfach klingt, hat mich durchaus auch Nerven gekostet. Der Kleine kann ganz herzzerreißend heulen und hat diese Waffe auch gekonnt genutzt. Doch mir half mein klares Ziel vor Augen, hier konsequent zu bleiben. Und doch ließ ich mich auf einen Deal ein: Ich merkte bald, dass Cenai sehr viel ruhiger in der Box blieb, wenn ich diese vorne offen lies. Er nutze es nicht aus, um abzuhauen, sondern setzte sich höchstens mal davor, um mich besser beobachten zu können.

Mit Freund Finley an der Seite ist alles halb so wild. Da lässt es sich auch ganz gemütlich mal in der Heukammer warten.

Ich bin ein großer Fan solcher „Deals“. Ich denke, es ist ungemein wichtig, ein klares Ziel vor Augen zu haben. Das hilft nicht nur dem Hund, sondern auch uns um konsequent auf dem richtigen Weg zu bleiben. Konsequenz bedeutet für mich in diesem Fall auch gar nicht unbedingt Strenge – es ist einfach eine gewisse Klarheit, die uns beiden einen Leitfaden bietet. Und dennoch ist es erlaubt, aufs Bauchgefühl zu hören. Mir war klar, dass Cenai lernen musste, am Rand zu warten während ich am Pferd bin. Und dennoch hat mein Gefühl mir geholfen, einen guten Weg für uns beide zu finden. Heute sitzt er wirklich sehr zuverlässig in seiner offenen Box und beobachtet mich geduldig oder macht auch schon mal recht entspannt ein Nickerchen.

Auf diese Entwicklung bin ich wirklich stolz, auf mich und den Kleinen. Der restliche Alltag gestaltet sich als wirklich unkompliziert. Ich merke, wie viele Parallelen es zur Arbeit mit den Pferden gibt. Und immer wieder schweifen meine Gedanken zum Thema intrinsische Motivation, wenn ich mit Cenai beisammen bin. Er lerht mich sehr eindrücklich, wie machtvoll diese Motivation ist. Für Cenai war ich vom ersten Tag an sein sicherer Hafen. Ich bin Tag und Nacht für ihn und seine Bedürfnisse da und biete ihm vor allem in diesen jungen Wochen Schutz und Geborgenheit. So orientiert er sich ganz automatisch in allen neuen Situationen an mir und ohne dass ich dafür sorgen muss, sucht er immer meine Nähe. Egal wo er sich aufhält, wenn ich nach ihm rufe, steht er kurz darauf vor mir und freut sich wie Bolle, mich wiederzusehen. Mir ist durchaus klar, dass das in der Pupertät auch mal anders aussehen wird. Aber die Basis, die wir jetzt miteinander aufbauen, wird uns auch später solide dienen.

Nach ausgiebigem Inspizieren wird die Stallkatze als Rudelmitglied erkannt, auch wenn klein Cenai dem Frieden noch nicht ganz trauen mag.

Ich bin wirklich froh, einen Welpen geholt zu haben. Nicht nur, weil ich merke, wie schnell die Kleinen in diesen jungen Wochen lernen. Es ist auch einfach so unglaublich bereichernd, die Welt aus den Augen eines jungen Hundes neu zu entdecken. Ich könnte meinen kleinen Wurm den ganzen Tag beobachten. Wie viel Freude und Leben er ins Haus bringt! Da vergisst man sogar, wie eklig es doch ist, morgens verschlafen in eine Pipi-Pfütze zu treten, die halb ausgekugelte Schulter vom Hundebox aus dem Auto rein- und rauswuchten und die vielen Geldscheine, die schon im Hundeladen über den Tresen gewandert sind…

Ich bin gespannt, was Cenai und ich in Zukunft noch so erleben werden. Möchtet ihr weiterhin auf dem Laufenen gehalten werden? Ich freue mich auf eure Kommentare, gerne auch mit Erzählungen von euren eigenen Hunden und / oder Tips zu allem möglichen rund ums Thema (Reitbegleit-) Hund!

Finley, der Hund meiner Mutter, ist mittlerweile nicht nur Cenais bester Freund, sondern auch ein großer Helfer um sich in dieser bunten Welt zu orientieren.

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