Alessa Neuner

A Life dedicated to Horses

Die richtige Ausrüstung machts – oder nicht?

Khayman hat all seine Halfter zum Fressen gern :)

Khayman zeigt uns, was man mit so einem normalen Stallhalfter alles anstellen kann 🙂

Ich muss gestehen, dass die letzten Monate als Studentin im Abschlussjahr ziemlich mau aussahen. Mau vor allen Dingen für meinen Geldbeutel. Dementsprechend musste ich wohl oder übel meine Einkäufe ein wenig herunterschrauben. Genau da entdeckte ich natürlich tausende von Sachen, die ich dringen haben musste. Die neuen Gamaschen, die aus einem wirlich vielversprechend klingenden Material bestanden. Diese super süße Reithose, die farblich so perfekt zur letzten Schabracke passen würde. Und dann die neue Zäumung, auf die mein Pferd auf dem Kurs so genial reagiert hat und die mich sicherlich im Training sehr voranbringen würde. All das tanzte vor meiner Nase herum und blieb dennoch unerreichbar. Ihr könnt euch meinen Frust warscheinlich vorstellen, oder?

Ich behielt die geplanten Anschaffungen natürlich im Hinterkopf und wusste, das würde als Erstes gekauft werden, wenn endlich wieder das nötige Kleingeld vorhanden wäre. Nunja, bis ich letztes ins Grübeln kam. Und das kam so: Schon längst überfällig, raffte ich mich endlich mal dazu auf, unsere Sattelkammer aufzuräumen. Erst einmal schaffte ich also alles Krempel raus in den Hof um es nachher neu einzuräumen. Bis ich erstmal alles hinausbefördert hatte, war ich schon ziemlich fertig mit den Nerven und vor allem mit meinen Kräften. Da stand ich also, schnaufend, und betrachtete mein Chaos. „Brauchst du das wirklich alles noch?“ flüsterte eine gemeine Stimme in meinem Kopf. „Aber natürlich, das ist LEBENSNOTWENDIG!“ schrie ganz hysterisch eine andere Stimme zurück.  Aber bevor ihr jetzt beginnt, euch Sorgen zu machen, höre ich auf, von Stimmen in meinem Kopf zu erzählen. Etwas nachdenklich geworden sortierte ich also meine Sachen neu, trennte mich doch tatsächlich von ein, zwei Stücken und räumte alles wieder an die alten Plätze. Einzig ein Halfter mit Strick, ein Halsring und eine Gerte blieben draußen hängen. Und soll ich euch etwas verraten? Seitdem habe ich die anderen Kisten noch kein einziges Mal öffnen müssen. Man kommt mit so wenig zurecht, wenn man möchte. Heute, als ich mit meinem Khayman am Halsring durch die Wälder spazierte, fragte ich mich, ob ich denn wirklich noch all die Ausbildungsgegenstände brauchen würde, die so auf meiner Liste standen. Oder ob ich dem Ganzen nicht doch ein wenig zu viel Bedeutung beimaß?

Immer nur das Beste für unsere Lieblinge - aber muss das neue Zaumzeug wirklich so dringend her?

Immer nur das Beste für unsere Lieblinge – aber braucht es wirklich das achte Zaumzeug im Schrank?

Ich fürchte, so ähnlich wie mir geht es heute so vielen Pferdemenschen. In jeder Zeitschrift, im Internet, auf all den Messen – überall bekommt man die neueste und beste Austrüstung angeboten, die garantiert für einen wahnsinnigen Trainingserfolg sorgen wird. Sicherlich ist das nicht nur gutes Marketing. Es gibt tatsächlich einige Ausrüstungsgegenstände, die ihren berechtigten Platz im Schrank haben. Ein guter Kappzaum zum Beispiel lohnt sich in meinen Augen durchaus. Nur, heißt das, ich kann wirklich nur mit einem guten Kappzaum sinnvolle Longenarbeit erzielen? Nein, das heißt es in meinen Augen nicht. Als ich mit Khayman begann an der Hand zu arbeiten, hatte ich nur ein Halfter zur Verfügung. Das klappte wunderbar. Bis ich mir in den Kopf setzte, unbedingt einen Kappzaum zu brauchen. Nunja, ich probierte einige aus um letztendlich festzustellen, dass Khayman der Druck an seinem sensiblen Kopf zu groß war und er immer um einiges schlechter lief als mit unserem stinknormalen Stallhalfter. Auf andere Dinge, wie zum Beispiel mein wirklich gutes Grandeur-Pad unter dem baumlosen Sattel, möchte ich nicht mehr verzichten. Doch seien wir einmal ehrlich – haben wir die wirklich wichtigen Dinge für den Alltag nicht eh schon längt im Schrank hängen? Und wird mir das neue Zaumzeug wirklich so viel Erfolg im Training bringen? Oder erreiche ich mein gesetztes Ziel nicht doch auch mit dem üblichen Sidepull, auf das Khayman doch eigentlich sehr schön reagiert und mit dem wir bisher wunderbar zurechtkamen?

Ich denke, es ist ein Irrglaube unserer heutigen Zeit, dass auf die Ausrüstung so ein immenser Wert gelegt wird. Ich bin gerne bereit dazu, viel Geld für gute Qualität zu zahlen. Aber ich glaube, dass trotzdem die Ausrüstung niemals im Vordergrund stehen sollte. Denn keine Ausrüstung der Welt ersetzt ein gutes Training! Und andersrum kann ich auch mit der minimalsten Grundausstattung ein wunderbares Training absolvieren, ohne eingeschränkt sein zu müssen. Denn es ist nicht das Womit, was ausschlaggebend ist, sondern das Wie. Das sollten wir denke ich niemals vergessen. Und so wächst mein armseliger Geldbeutel so langsam wieder auf eine zumindest einigermaßen angesehliche Größe heran und der Frust ist verflogen. Anstatt über die neuen Gamaschen freue ich mich lieber über das Vertrauen, dass Khayman mir momentan bei unseren Spaziergängen schenkt. Mit Halsring. Und dem uralten Strick, der irgendwie doch immer all den schicken, neuen Stricken vorgezogen wird, weil er einfach so viel angenehmer in der Hand liegt. Ob ich deswegen auf der nächsten Messe ohne Einkäufe nach Hause kommen werde? Sicherlich nicht. Aber ich weiß, dass ich dem Ganzen nicht mehr die Bedeutung zukommen lassen werde, wie das bisher manchmal der Fall war.

Körperarbeit ist nicht immer mit Seil und Kappzaum verbunden

Die beste Ausrüstung der Welt kann kein solides Training ersetzen. Zum Glück, oder nicht?

Und weil ihrs seid, verrate ich euch jetzt doch noch etwas – aber bitte nicht weitersagen: Ich hab etwas bestellt. Aber pssst! Es ist nur ganz klein. Und tut dem Geldbeutel fast nicht weh. Und ich glaube, damit werden unsere Spaziergänge noch viel… äh, was? Habe ich etwas gesagt? Nein, ich glaube nicht! 😀

Noch nicht ganz überzeugt? Dann schaut doch mal bei Miri von MeinFaible vorbei, die das Thema auch beleuchtet hat – auf eine charmante Art, die einem das schlechte Gewissen nimmt und doch gleichzeitig ein wenig mit dem Zeigefinger wackelt 🙂

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2 Kommentare

  1. Hallo Alessa!
    Wie du mir aus der Seele sprichst! Ich habe erst vor kurzem auch alles aus dem Schrank geräumt und um dann doch bis auf eine Kiste wieder alles einzuräumen. -.-
    Diese Kiste habe ich mit heim genommen um das ein oder andere Teil zu verkaufen!
    Und was soll ich sagen!?!
    Zwei Sachen sind schon weg… und das Geld auf meinem Konto!
    Ein tolles Gefühl. Auch wenn ich es direkt in ein neues Teil umgesetzt habe… aber immerhin…. zwei gegen eins und Geld übrig gehalten.
    Aber ich glaube das kennt jeder Pferdemensch!
    Diesen Sammelwahn!
    Und ja, auch benutze ausschließlich den alten, gammeligen Führstrick….. 😉

  2. Ich hoffe es wird nicht langsam langweilig, aber ich kann es nur immer wieder sagen: ich kann dir nur voll und ganz zustimmen, und lese deine Texte immer mehr als gerne =)
    Ich habe mir auch vor kurzem Gedanken gemacht, ob ich wirklich alles brauche, was ich habe. Und ja, ich habe doch tatsächlich das ein oder andere Stück verkaufen können. Es hängt zwar immer noch viel zu viel im Schrank, von dem ich mich einfach nicht trennen kann… Ich könnte es doch noch irgendwann mal brauchen ;P Und für das Geld, das ich vom Verkauften bekommen habe, habe ich mir auch ein neues Cavecon (um das ich aber wirklich froh bin und mir viel weiterhilft =)) und einen Sattelgurt (den ich auch brauche) bestellt. Das ist zwar für die Menge meiner Sachen nicht so produktiv, aber dafür habe ich jetzt statt lauter sachen, die ich eig. eh nicht brauche, zwei neue, die ich brauche =)

    Aber es ist wirklich so, man kommt eigentlich mit wirklich wenig Ausrüstung zurecht, wenn man will.
    Vielen Dank für deine Gedanken, dadurch bin ich jetzt nochmal ins Nachdenken gekommen, ob ich das ein oder andere Teil vllt doch auch noch verkaufen könnte, dass ich wirklich nur noch die wichtigen Dinge im Schrank hängen hab, und nicht auch noch die Trense, die ja soo schön ist, aber leider keinem meiner Pferde passt *grins* =D

    GLG Rebecca

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