Alessa Neuner

A Life dedicated to Horses

Besser, schneller, höher – eine Welt der Superlativen. Eine glückliche Welt?

Schneller, besser, höher - manchmal tut es gut, innezuhalten und zu überlegen, für wen man eigentlich handelt. Für das "Wir" oder für die Augen der Anderen?

Schneller, besser, höher – manchmal tut es gut, innezuhalten und zu überlegen, für wen man eigentlich handelt. Für das „Wir“ oder für die Augen der Anderen?

Heute habe ich Khayman angeschaut und überlegt, welche der zahlreichen Ziele, die ich in meinem Kopf gesteckt habe, wir heute näher kommen wollen. Khayman blickte zurück – und wanderte davon! Nachdem das sehr, sehr selten vorkommt, begann ich ein wenig meine Gedanken kreisen zu lassen. Und stellte fest, dass ich krank bin – ich leide an chronischer Unzufriedenheit! Nicht, dass ich nicht fröhlich wäre. Im Gegenteil, ich bin ein unglaublich positiver Mensch. Aber auf meiner Schulter hockt stets, klein und gemein, dieser fiese Drang, alles noch besser zu machen.

Zufriedenheit – ein verloren gegangenes Gut?

Wir leben in einer Welt der Superlativen. Gerade in der heutigen Facebook-Generation, wie man so schön sagt, gibt es von allem nur das Beste und davon viel zu viel.  Was das ganz konkret heißt? Wir sehen täglich die schönsten Pferde, die schönsten Profilbilder, die verliebtesten Paare. Ein Pferd muss sowieso das Steigen und Ablegen im Grundreportoire haben, das versteht sich von selbst. Überall wird sich gegenseitig übertrumpft, gewetteifert und die Suche nach dem Besseren, Größeren nimmt kein Ende…

Doch ich frage mich manchmal, wo das „Ich“ und noch wichtiger, das „Wir“ dabei bleiben? Bleiben in diesem Wettlauf nicht die wahren, wichtigen Dinge auf der Strecke? 

Einfach mal miteinander nichts tun. Die Gesellschaft des anderen genießen und zufrieden sein. Gar nicht so einfach, oder?

Einfach mal miteinander nichts tun. Die Gesellschaft des anderen genießen und zufrieden sein. Gar nicht so einfach, oder?

Seien wir doch mal ehrlich: Jeder von uns könnte aus dem Stand weg 5 Dinge aufzählen, die er auf jeden Fall jetzt bald erreichen will. Andere machen das schließlich auch und es kann ja nicht so schwer sein, warum sollte man es also nicht auch können? Ich bin mir sicher, dass wohl kaum jemand von dieser Krankheit verschont wird.

Ich möchte überhaupt nicht auf diese Welt schimpfen, denn es kann eine wunderbare Inspiration und Quelle der Motivation sein.

Doch ich möchte einmal kurz anhalten. Anhalten und Luft holen.

Nun lasst uns mal gemeinsam auf das zurückblicken, was wir bisher geschafft haben. Sicherlich fallen uns ein, zwei Punkte ein, auf die wir besonders stolz sind. Erlebnisse, die unsere Herzen gefüllt haben und für immer im Gedächtnis bleiben werden. Besondere Beziehungen, die geknüpft wurden und Hürden, die gemeinsam genommen wurden. Wir haben an uns gearbeitet und sind unseren Weg gegangen. Vielleicht mal gestolpert und gestrauchelt, aber wir sind ihn gelaufen. Alleine, für uns. Dieses „für uns“ ist es, was ich manchmal heute vermisse. Können wir nicht stolz sein auf das, was wir sind? Eben genau das, und nicht das, was wir vielleicht in 5 Wochen sein wollen oder meinen, sein zu müssen.

Fallen mir zu diesem Bild zuerst 5 positive oder 6 negative Dinge ein? Wie schnell vergessen wir, was wir bereits erreicht haben und verzweifeln stattdessen daran, wie viel wir noch erreichen müssen. Der Genuss des Momentes? Kommt dabei oft zu kurz...

Fallen mir zu diesem Bild zuerst 5 positive oder 5 negative Dinge ein? Wie schnell vergessen wir, was wir bereits erreicht haben und verzweifeln stattdessen daran, wie viel wir noch erreichen müssen. Der Genuss des Momentes? Kommt dabei oft zu kurz…

Wie viel brauchen wir, um zufrieden zu sein? Oder sind wir, wenn wir innehalten und zurückblicken, nicht vielleicht schon an einem Punkt angelangt, an dem wir Glück und Zufriedenheit empfinden sollten?

„The truly rich are those who enjoy what they have.“

Ich glaube, in all der Hektik und der Welt der Superlativen müssen wir manchmal einfach innehalten und uns auf uns besinnen. Es tut gut, einfach mal wieder zu sich zurückzukehren und die Außenwelt im wahrsten Sinne des Wortes außen vor zu lassen. Lasst uns zufrieden und glücklich sein mit dem, was wir haben und stolz darauf, eben genau „Wir“ zu sein. Die Erkenntnis, dass man zufrieden und glücklich mit seinem Leben ist, kann unglaublich erleichternd sein. Mit dieser Einstellung möchte ich dennoch auch weiter Ziele verfolgen und vorankommen. Aber ich glaube, ich kann öfters mal stehen bleiben und das genießen, was eben gerade ist. Denn wenn ich es aus meinen Augen und nicht derer tausend kritischer Zuschauer betrachte, dann fühlt sich das sehr, sehr gut an. Und sollte es nicht genau so sein – dass sich mein Leben für mich gut anfühlt?

Danke, ihr wundervollen Fellnasen, dass ihr mich immer wieder daran erinnert, was wirklich zählt! Ein ehrliches "Wir" fühlt sich einfach so wundervoll an, für uns!

Danke, ihr wundervollen Fellnasen, dass ihr mich immer wieder daran erinnert, was wirklich zählt! Ein ehrliches „Wir“ fühlt sich einfach so wundervoll an, für uns!

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10 Kommentare

  1. Hallo liebe Alessa,
    wie schön, dass du dieses Thema hier aufgreifst! 🙂
    Du bist nicht die Einzige, die manchmal einfach zu viel möchte 😀 . Ich muss mich auch oft daran erinnern, dass Tassi (eine Pferdeoma 🙂 ) sich nicht mehr allzu lange konzentrieren kann. Gerade beim Clickern möchte ich manchmal einfach zu viel. ,,Caro, komm, wir könnten ja noch am Kompliment weiterüben, am Kopfnicken, HulaHoopReifen über den Hals schmeißen wiederholen und das Ablegen könnten wir ja auch noch üben.“, ist ein Beispiel, was dann so in meinem Kopfi abgeht 😉 . Aber wie gut, dass die Pferde uns dann wieder schnell auf den Boden der Tatsachen holen, auch wenn es manchmal nicht ganz angenehm ist – erbarmungslos wie sie manchmal sind 😀 . Aber das finde ich gerade das Schöne! So langsam habe ich gelernt, all die kleinen Dinge im Leben als das Wichtigste anzusehen 🙂 . Wie man eben so vieles von den Pferden lernt! 🙂 Und das macht Spaß – mein Leben macht Spaß!!! <3 Die Pferde zählen da mit einem sehr großen Teil hinzu, ohne sie wäre ich heute garantiert nicht das 15-jährige Mädchen, was schon glücklich ist, wenn sie alleine mit den Pferden in seliger Ruhe – nur die beruhigenden Geräusche der Pferde – im Offenstall sitzt 🙂 . Ich glaube, hätte ich meine Pferde nicht, dann wäre ich ein ganz anderer Mensch. Ich wäre weder selbstreflektiert, noch um Glück und Heil jedes Tieres bemüht, noch geduldig und bestimmt auch mit mir selber sehr unzufrieden. Aber das bin ich nicht, denn ich liebe mein Leben einfach, genauso wie es ist! 🙂 <3
    Das finde ich ist ein schöner Schluss für meinen Kommentar. Du hast das wirklich sehr schön geschrieben! 🙂 Danke für die Inspiration für weitere Selbsteingeständnisse 😉 .

  2. Liebe Alessa,

    danke, dass du uns alle immer und immer wieder an Wesentliches erinnerst. Das was du sagst ist im Umgang mit unseren Pferden aber auch mit Freunden und beruflich so wichtig. Das Bild auf dem Khayman und du einfach so „herumhaengt“ ist übrigens wahnsinnig schön. Das schaue ich mir beinah noch länger an, als die zahlreichen beeindruckenden von euch, er hat dort einen so warmen und lieben Blick 🙂 echt schön!

    ihr geht einen tollen Weg, lass dich nicht unterkriegen!!

    LG
    Anika (Aninchen ^^ )

    • Alessa

      26. Juli 2015 um 13:28

      Vielen Dank liebe Anika, das freut mich sehr! 🙂 Das Foto mag ich auch sehr gerne – ab und zu ist ein bisschen Herumhängen doch echt das Beste was es so gibt *hehe
      Herzliche Grüße!
      Alessa

  3. Du hast so Recht mit deinem Artikel. Und das wirklich ironische an dem ganzen „schneller, höher, weiter“ ist ja, dass wir am Ende viel weniger bekommen, wenn wir so viel wollen. Ich ertappe mich auch dabei, wie ich mir wünsche, dass mein Pferd und ich am besten die ideale Verbindung und tollste Freundschaft ever haben, gestern bitte 😉 Das baut so viel unnötigen Druck auf. Wenn man weiß und ahnt, wie energetisch Pferde als Wesen sind, dann weiß man ganz tief drinnen auch, dass dieses „Wollen“ und der Druck genau das Gegenteil erzeugen wird. Danke für die kleine Erinnerung, wieder einen Gang runterzuschalten und ganz liebe Grüße, Petra

  4. Stephan Neuner

    26. Juli 2015 um 7:01

    „Der Meister beherrscht die Balance“ Auch wenn ich nicht ad hoc sagen kann, von wem dieser Spruch stammt, so war es das erste, das mir in den Sinn kam, als ich Deinen Artikel gelesen habe.
    Die Extrempositionen – also am einen Ende: keinerlei Wunsch, sich zu verbessern und am anderen Ende: ständige Optimierung im Sinn (quasi ein Perfektionierungsdrang, den unsere Gesellschaft via Medien distribuiert, der aber schon an der Natur der Dinge letztendlich scheitern muss) – sind relativ leicht einzunehmen. Beide Extrempositionen vernachlässigen aber Elementarbedürfnisse des Lebens.
    Eine Balance zwischen beiden Extrempunkten, das ist die persönliche Herausforderung, die es gilt für sich zu finden, will man ein glückliches und erfülltes Leben mit den Pferden führen. Analoges gilt selbstredend für all die anderen Bereiche des Lebens, die Dir wichtig sind.
    Und hin und wieder mal diese Balance zu überprüfen und justieren, das ist es, was Du in Deinem Artikel so schön reflektiert hast.
    Alles Liebe! Pa

  5. Hallo Alessa,

    Genau dieses Denken hat mir vor Jahren noch das Leben sehr schwer gemacht…immer dieses Gucken was machen andere, was haben die, was können die…dieser „Futterneid“ zu dem man regelrecht erzogen wird da man immer wieder mit anderen verglichen wird oder sich selber vergleicht.
    Was dabei auf der Strecke bleibt ist das eigene Selbst…nicht nur im Umgang mit den allertolsten Wesen der Welt (meinem Seelenpony) sondern auch allgemein im Privaten, im Job einfach auf alles ist es an zu wenden…reflektiere dein Leben, deine Wünsche, deine Ziele und schaue doch einfach mal was hast du schon alles erreicht? Geht es nicht darum? Einfach mal mit den kleinen Dingen im Leben zufrieden zu sein? Erst wenn man sein Leben mit den eigenen Augen betrachtet findet man eben ganz viele Wundervolle Dinge und Geschehen an denen man sich mehr wie erfreuen kann. Als ich das für mich begriffen hatte, war es als währe ein Riesen Knoten geplatzt und seit dem setzte ich mich selber nicht mehr unter einen riesigen Erwartungsdruck. Viele Ziele zB. Sind auch keine direkten Ziele mehr sondern auf die Wünscheliste gerutscht…ja ich träume davon das mein Liebstes Pony eines Tages ruhig neben mir liegen bleibt und wir im liegen kuscheln können…aber das ist mein Traum/Wunsch…Herr Pony sieht das noch anders…gut dann bekommt er eben die Zeit die er braucht um diesen Schritt zu machen…wir sind jetzt erst seit 5 Jahren zusammen und wenn ich vergleiche was am Anfang war und was jetzt ist so sehe ich doch eine ständige Bergauf Tendenz… Auch mal mit einer Talfahrt, aber das sehe ich mittlerweile als Anlauf um leichter an den Gipfel zu kommen 😉
    Seit dem ich mehr nach dem Motto „Sei du selbst“ lebe ist das meinige um so vieles entspannter und erfreulicher.
    In dem Sinne…weiter so und lass die „Kritiker“ einfach mal Kritiker sein…die sind einfach nur arm dran den sie können sich nur gut fühlen indem sie andere schlecht reden, Selbstreflexion tut einfach zu weh.
    Liebe Grüße Sunny

    • Alessa

      17. August 2015 um 10:15

      Liebe Sunny,
      vielen Dank für deine schönen Worte. Es ist tatsächlich so viel einfacher (und so befreiend!) wenn man anfängt, einfach für sich zu leben. Dann merkt man tatsächlich auch mal, was man bereits geschafft hat und dass es doch unendlich viele schöne Dinge gibt, über die man sich freuen kann, wenn man nicht immer und immer mehr möchte. Das ist es wohl, was wahre Lebenskunst ist 🙂
      Ich freue mich, dass die Pferde uns so wunderbar dabei helfen – sie sind so geduldige Lehrer!
      Ich wünsche dir mit deinem Pony noch ganz viel Freude und ich bin mir sicher, dass eure Träume und Wünsche zur richtigen Zeit auch Realität werden 🙂
      Alles Liebe!
      Alessa

  6. Hallo Allessa,
    vielen Dank für diesen schönen Artilel. Es steckt sehr viel Wahrheit in dem was Du sagst! Ein weiterer trauriger Nebeneffekt dieses Superlativen-Denkens ist es, dass die Leidtragenden nicht nur die Menschen sondern auch deren Pferde sind. Oft wird vergessen, dass wir unsere Ziele nicht alleine erreichen können…
    Lg, Svenja

  7. Liebe Alessa,

    das sind sehr wahre Worte und ich muss feststellen, dass ich auch viel zu viel plane. Manchmal plane ich am Wochenende schon was ich in der nächsten Woche machen werde. Ich denke, ein grober Plan ist gar nicht verkehrt, da man so nicht während der Arbeit ständig !unnötige! Pausen einlegen muss. Allerdings plane ich am We immer schon bis ins kleinste Detail was ich wie und wann mache. Wenn dann etwas „schief“ geht, bin ich voll aus dem Konzept und dann manchmal auch zu Unrecht sauer. Ich denke man darf nicht zu sehr ein einem Plan festhalten, er soll nur zur „Hilfe“ dienen, dass man so in etwa weiß was man üben möchte.
    Lg 🙂

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